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  Chronik

       aus der Geschichte geplaudert



figurentheater FADENSCHEIN

- 1984 gegründet von Hanne Scharnhorst, Martin Schimmöller, Michael Nöck Gebhardt-Seele

- Produktion von Stücken für Kinder und Erwachsene
- Betrieb eines eigenen Theaters in Braunschweig mit eigenen Vorstellungen und Gastbühnen
- Tourneebetrieb mit allen Stücken (vorwiegend Deutschland, aber auch international)
- Leitung von Theaterseminaren
- "special events"

Damals...

Und so hat alles angefangen: Ende der 70er Jahre fand sich an der Pädagogischen Hochschule zu Braunschweig eine Studentengruppe zusammen, die im Rahmen einer Projektarbeit gemeinsam mit dem damaligen Dozenten Enno Podehl begann, erste Gehversuche im Puppentheater zu unternehmen.
Die Gruppe gab sich den Namen "Der Rote Faden - Theater mit und ohne Puppen".
Martin Schimmöller und Hanne Scharnhorst waren ziemlich von Anfang an dabei. "Straßentheateraktionen", "Die Bundschuhbauern", "Die Kronenklauer" waren erste Arbeiten. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Professionalisierung war die Produktion von Enno Podehls Stück "Theater über Theater", das auf der Braunschweiger Puppenspielwoche im Mai 1982 eine begeistert gefeierte Premiere hatte. Da war dann auch Michael Nöck Gebhardt-Seele schon dabei. Neben verschiedenen anderen Kontakten und Vorbildern entwickelte sich früh eine intensive Verbindung zum Klappmaul-Theater in Frankfurt. Da gab es zum Beispiel von Manfred Roth die sagenhafte Inszenierung des "Pierrot Lunaire" zu Musik von Arnold Schönberg mit einer wahrhaft bombastischen Ausstattung aus der Klappmaul-Werkstatt. Bei der Aufführung 1982 auf der braunschweiger Puppenspielwoche spielten Hanne Scharnhorst und Michael Nöck Gebhardt-Seele mit.
Es war wohl auf der Premierenfeier von "Theater über Theater" in der legendären Theaterwerkstatt an der Marienstraße, als der Kontakt zu Egbert (Ecki) Buchholz vom Kulturamt sich verdichtete und die Idee geboren wurde, in der 'Brücke' regelmäßig Puppentheater anzubieten. Die Euphorie nach der gelungenen Premiere hatte daraufhin gleich zwei Geburtsvorgänge zur Folge: Der erste: Hanne Scharnhorst und Anne Podehl setzen mit Unterstützung von Hansgeorg Mahler vom KLAPPMAUL Theater, Frankfurt das Stück "Ein Frosch lernt Fressen" neu in Szene. Schon im Oktober 1982 kam das muntere Plastikschüssel-Fröschlein in der 'Brücke' zur Aufführung und wurde schnell für etliche Jahre zum Liebling zahlreicher Kinder und vor allem auch Kindergärtnerinnen. Parallel hierzu wurde unter Mithilfe zahlreicher Team- und Familienmitglieder von Michael Nöck Gebhardt-Seele und Gertrud Pigor das Stück "Die Reise durchs Fenster" entwickelt und ebenfalls im Oktober 1982 zur Premiere gebracht. Das Stück befand sich in mehrfach überarbeiteter Form unter dem Titel "Zauberreise" noch lange Jahre im Fadenschein-Repertoire und Willi's 'Zauberzieher' schaffte es immer wieder mühelos, eine poetische Befreiung der Phantasie herbeizuzaubern. Im Januar 2005 erfuhr das Stück die endgültig letzte Vorstellung und anschließend wurde die Ausstattung versteigert.
Der Start war also recht gelungen und es folgten schnell zahlreiche Gastspielangebote und einige Festival-Auftritte, so z.B. auf der FIDENA in Bochum, in München, in Bremen, in Hannover, in Lingen, in Stuttgart und nicht zuletzt wäre da natürlich die sagenhafte Reise nach Polen zu nennen zum Festival in Bielsko-Biala.
Es gab durchaus frühzeitig in der Stadt Stimmen, die das junge Pflänzchen Figurentheater pflegen wollten und so geschah es, dass die erste Produktionsförderung ins Haus stand. Parallel zum 'Theaterspielplatz', dem Kinder- und Jugendtheater des Staatstheaters, das damals seinen Start vorbereitete wurde wieder eine Produktion in Angriff genommen: "Halogen und Bitterlemon". Der Kinder-Science-Fiktion hatte im September 1983 Premiere.
Und was war denn nun mit den Vorhaben in der 'Brücke'? Ein bißchen hat's noch gedauert nach den ersten Ansätzen und Egbert Buchholz hat die Ärmel hoch gekrempelt und nach Kräften den etwas störrischen Amtsschimmel zurecht gestriegelt bis es im Herbst 1983 endlich soweit ist: Als kontinuierliches Programm unter Federführung der braunschweiger Puppenspieler und unterstützt von Gastspielen befreundeter Spieler aus Deutschland und der ganzen Welt kann das "FIGURENTHEATER IN DER BRÜCKE" in den Sattel gehievt werden. Das Kulturamt stellt den Raum, die Werbung, besorgt das nötige Budget für die Honorare und so hat das Figurentheater in Braunschweig sowas wie eine Heimat gefunden. (Diese Zusammenarbeit sollte sich über viele Jahre hin bestens bewähren.) Bemerkenswert ist zudem, dass hiermit zum ersten mal in Braunschweig ein laufendes Angebot von Kindertheater etabliert wurde - ein Meilenstein in der Kulturgeschichte dieser Stadt. Der 'Theaterspielplatz', der - geleitet von Thomas Lang - wenig später seine Pforten öffnet, wird bald zum guten Freund und Mitstreiter und so kann der Weg des braunschweiger Kindertheaters kollegial beschritten werden, die ein und andere Kooperation wird die Freundschaft festigen und beide Pflänzchen können wohl gedeien.

1984

Aus der Freundschaft mit anderen Theatern entspringt im April 1984 ein Workshop mit Heather Robb (Le Coq Schule, Paris). Nach so manchem Wechsel in der Besetzung in den ersten Jahren, gibt es dann 1984 noch einmal einen großen Umbruch. Ein Ergebnis ist, dass Hanne Scharnhorst, Martin Schimmöller und Michael Gebhardt-Seele beschließen, das Theaterspielen zum gemeinsamen Beruf zu machen: Das FIGURENTHEATER FADENSCHEIN wird gegründet und arbeitet bis 2009 in gleichbleibender Besetzung. Damit ist das Figurentheater Fadenschein eines der stabilsten Ensembles des Landes.
Mit der Premiere von "ZilpZalp in der Zwitscherbude" im September 1984 hat das Figurentheater Fadenschein einen glänzenden Start. Es ging darum, eine unterhaltsame Formensprache zu finden, die 'Open air' funktioniert, die Suche nach einer windfesten Kulisse mit großen, bzw. hoch spielbaren Figuren führte zu der Litfaßsäule mit großen und kleinen Vögeln, die Geschichte ergab sich improvisierend. Die Produktion zählt bis heute zu den meist gespielten Stücken des Theaters und erfreut sich einer weit verzweigten Fan-Gemeinde. Sie war in der Partnerstadt Kasan (Tatarstan) dabei, eine Kurzversion davon wurde vom ZDF ausgestrahlt

1985

Der VEREIN ZUR FÖRDERUNG DES FREIEN THEATERS IN BRAUNSCHWEIG wird gegründet (La Otra Orilla, Fadenschein, Purpurweiß) In Zusammenarbeit mit Anke Meyer (Theater Purpurweiß) wird nach neuen und zeitgemäßen Formen theatralen Ausdrucks gesucht. Beflügelt von einem Theater-Workshop bei Yoshi Oida in Berlin und einem bei Carlos Cueva, auch beeinflusst von der Arbeit der Kollegen von La Otra Orilla wird experimentierend und recherchierend an einem Abendstück zum Thema Esskultur gearbeitet. Im Rahmen der großen Niedersächsischen Landesausstellung im Braunschweigischen Landesmuseum hat das Stück im Oktober 1985 Premiere. Titel: "Einmal der Kirschen Schwärze singen" Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu überwinden: Die Arbeitssituation im Hinterhof der Marienstraße ist einfach nicht mehr zu ertragen. Das viel zu kleine Büro, das entweder zu warm oder zu kalt ist, die Werkstatt im Flur, wo immer alles im Weg steht, der kleine Probenraum mit krachender, sonst wenig aktiver Heizung, dürftig wohnlich gemacht mit zahlreichen Lagen Teppichen vom Sperrmüll. Das ganze seit Jahr und Tag gemeinsam genutzt mit der ebenfalls äußerst produktiven freien Theatergruppe "La Otra Orilla" (viel später wird daraus L.O.T). So wird gemeinsam nach neuen Wegen gesucht, was im Sommer 1985 zum gemeinsamen Umzug in die Petersilienstraße führt: Das Büro ist zu klein und hat kein Fenster, der Aufenthaltsraum ist praktisch ungeheizt, die Werkstatt ist im Flur und immer steht alles im Weg, aber es gibt zwei Probenräume mit nur einer Lage Teppich (neu!) und alle sind stolz und zufrieden und arrangieren sich und so wird die Liaison immerhin weitere sechs volle Jahre überdauern. - Ja da staunt man!
Ebenfalls für das Rahmenprogramm der Landesausstellung wird im Schnellverfahren noch ein knorziges Kinderstückchen zum Thema 'Kindheit im Mittelalter' hervorgezaubert: "Ein Eselsohr im Waschzuber" für Kinder ab 8 Jahren. Mittelalterlicher Bänkelgesang mit Drehleier und Klampfe, grobschlächtigen Stockmarionetten und einer Kurbelbühne im Holzkasten.

1986

Ein weiterer Versuch für Kinder ab 8 Jahren gelangt schon im März 1986 zur Premiere: "Firlefanz und Schattentanz". Frau Petzold vom Sozialamt hatte zum 'Jahr des Ausländischen Mitbürgers' den Einfall, ein Puppenspiel von Fadenschein zu initiieren. Schnell war die Idee geboren die Verwandtschaft des Kaspertheaters mit dem türkischen Schattenspiel und seinen Protagonisten Karagöz und Hacivat als Arbeitsgrundlage zu benutzen. Die Fördermittel sind in diesen Jahren noch recht spärlich, doch neben dem Sozialamt engagieren sich auch das Jugend- und Kulturamt und so kommt immerhin ein kleines Budget zustande. Das Stück wird auf dem Festival in Lingen gespielt und hat eine Reihe sehr temperamentvoller Vorstellungen vor Schulklassen in Salzgitter, Braunschweig und andernorts, alles in allem ist ihm aber ein ähnliches Schicksal wie dem vorangegangenen beschieden, denn Stücke für Kinder ab 8 Jahren sind nur mit großem Aufwand, stark subventioniert und im engen Kontakt mit Schulen und anderen Institutionen unters Volk zu bringen, so tröpfelt es mit mäßigen Verkaufszahlen durch einige Jahre. Doch es gab unter anderem auch Spielserien in Salzgitter, Saarbrücken und Berlin mit durchaus schönen und vor allem auch aufregenden Vorstellungen: z.B. jener in Braunschweig in einer je zur Hälfte türkisch-deutschen Schulklasse, wo es hoch her ging und sich das Kalkül bewährte, dass es gut ist, wenn die Menschen gemeinsam über ihre Macken lachen können. So ist die inhaltliche Idee auch nicht so schnell tot zu kriegen und man wird später noch davon hören...

1987

Das Karagöz-Projekt hat bei den Auftraggebern ein derart positives Echo hervor gerufen, dass sich in der Folge nicht nur die drei braunschweiger, sondern zusätzlich die drei wolfsburger Ämter zusammen finden, um ein Stück für die italienischen Kinder in Auftrag zu geben (Den Witz "Sechsämtertropfen" hat die Presse natürlich schnell aufgegriffen). Wichtiger Motor ist Conni Schmitt-Ott (Ausländerreferat Wolfsburg), der eifrig Kontakte vermittelt. Die Hausaufgabenhilfe in Wolfsburg und die Theatergruppe von Hanne Scharnhorst mit italienischen Kindern tun gute Dienste. Formale Arbeitsgrundlage ist die simple Reihung "Iatliener-Alpen-Deutsche" die ihre Entsprechung in einer Tierfabel sucht: "Hühner-Misthaufen-Schweine". Lieder und Verse aus beiden Kulturen und der entsprechende Wortwitz wurden erforscht, auch die fremde Sprache sollte nicht fehlen. Mit ersten Textentwürfen wurden Spielformen improvisiert und getestet. Entstanden ist dann in einer wundervollen Zusammenarbeit mit Manfred Roth (Klappmaul-Theater) "Peppino Peperoni" das im Juni 1987 Premiere hat und - mit mittlerweile weit über 300 Vorstellungen - zum meist gespielten Stück des Ensembles avancieren wird. 1989 wird das Stück von der Stadt Herne mit dem "Sonderpreis für Kindertheater" ausgezeichnet.
Das 'Figurentheater in der Brücke' brummt! Menschentrauben an der Sonntagskasse. Viele müssen wieder weggeschickt werden. Der Kassendienst wird zum Prügelknabenjob und jeder drückt sich davor. Trotzdem gelingt es nicht, die etwa 20 Vorstellungen jährlich aufzustocken. Die Kulturverwaltung ist nicht interessiert, Probleme mit dem Schließdienst und ähnliche Hürden blockieren die Ausweitung des Veranstaltungsprogramms.
Der 'Verein zur Förderung des Freien Theaters' tritt fordernder auf, die beteiligten Gruppen setzen sich zusammen für ein finanzielles Fundament ein, das ein professionelles Arbeiten gewährleisten soll. Jerry Oberländer und bald auch Peter Bischoff leisten hier wichtige Pionierarbeit. Mit der Stadtverwaltung wird über die Ansätze einer 'Institutionellen Förderung' verhandelt, die dann auch mit einem Anfangsbetrag von 10.000 DM eingesetzt wird. Dieser heute bescheiden anmutende Betrag bedeutet erst einmal eine wichtige Errungenschaft, er ist über die Jahre stetig gewachsen und so darf die Stadt Braunschweig durchaus als wichtigste Stütze des finanziellen Fundaments genannt werden.

1988

Alle Fadenscheins haben eine künstlerische Vorbildung, davon sind alle Produktionen geprägt. Der stark bildhafte Charakter und die spezifische Gestaltung jedes Stückes sind die Besonderheit aller Fadenschein-Inszenierungen. Neben der Auswertung von Kollegen-Kontakten und eigenen Erfahrungen hat nun professionelles Arbeiten sehr bald auch bedeutet, gezielt Fortbildung zu betreiben. In der Praxis zeigt es sich freilich immer wieder als schwer, das nötige Geld und die nötige Zeit verfügbar zu machen. Das Jahr 1988 wird also gezielt diesem Thema gewidmet: Schauspielkurs bei Jack Garfein ('Actors Studio' New York), Seminar zur Herstellung von Schaumstoff-Figuren bei Peter Röders. 1989 Seminar zur Puppenführung mit Eric Bass (USA) 1990-93 regelmäßig Sprechunterricht mit Günther Wirth Außerdem wird Die Reise durchs Fenster gründlich saniert, bekommt eine komplett neue Bühnenkonstruktion, eine zusätzliche Szene und eine neue 'Pele'. Daneben läuft natürlich der Tourneebetrieb mit allen verfügbaren Stücken auf vollen Touren und zahlreiche Theaterspielkurse werden in Zusammenarbeit mit der VHS, der Fachhochschule und dem Kulturamt abgehalten. Allem voran sei hier die Lehrtätigkeit von Martin Schimmöller in Schauspiel- und Figurenspielseminaren bei der VHS-Braunschweig genannt, die 1987 begann und sich über 10 Jahre erstreckt.

1989

Die kreative Pause, das Nachdenken über künstlerische Ausrichtungen und unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte hat unter anderem die Idee zum Ergebnis, eine Reihe von Solostücken zu machen. Die Entwicklung des Theaters war bislang von künstlerischen Kompromissen geprägt und einem starken Wunsch nach gemeinsamer Verantwortung. Das Positive dieser Haltung soll nun nicht einfach über Bord gehen. Aber auch in anderen Bereichen des 'selbstverwalteten Betriebes' FADENSCHEIN hat sich mittlerweile eine gewisse Arbeitsteilung als sinnvoll erwiesen und so liegt es nahe, auch im künstlerischen Bereich die spezifischen Ausrichtungen wechselweise kennen zu lernen.
'Solostück' soll nun nicht unbedingt heißen, dass die anderen Teammitglieder nichts damit zu tun haben, es gibt halt einen 'Bestimmer'. (Entgegen vieler Prophezeiungen hat der jetzt folgende Prozess bis dato keine schädlichen Auswirkungen auf das Gemeinschaftsgefühl im FADENSCHEIN.)
Nach der mittlerweile üblich gewordenen Produktionszeit von etwa einem halben Jahr für ein Kinderstück hat also im Juni 1989 das erste Solostück Premiere: "Ferdinand ein starker Stier" von und mit Hanne Scharnhorst. Wichtige Impulse für diese Arbeit entstehen aus der Begegnung mit Ralf Reichard, der vom Clownstheater kommt und aus der Beobachtung einer zeitgenössischen Strömung des Figurentheaters: dem Objekttheater. In Verbindung mit ihrer Rolle als Clownin arbeitet Hanne Scharnhorst mit sehr stark ins Material reduzierten Figuren.
Kurz eingeschoben wird nun die Überarbeitung der Kasper-Karagöz-Geschichte Firlefanz und Schattentanz: Peter Hauck's dramaturgische Kniffe kommen hier das erste mal zum Einsatz und wie sich herausstellen wird nicht zum letzten mal. Das Stück erlebt mit einer wunderschönen Aufführung unter Bäumen im Hof der Ägidienkirche im August 1989 einen vielversprechenden Neubeginn - jetzt für Erwachsene.
Gleich anschließend folgt von und mit Martin Schimmöller als nächstes Soloprogramm "Ein Wintermärchen". Premiere Dezember 1989. Die Arbeitsweise geht hier in eine ganz andere Richtung: Die vielen fantastischen und märchenhaften Bildideen werden mit speziellen Lichteffekten wie Schatten, Blitzen und Farblichtern sowie einem mehrdimensionalen Bühnenbild ('Reale' Bühne, Schattenspielebene, Spiel hinter Gazevorhang) umgesetzt. Der Spieler hat nur auf der 'realen' Ebene die Möglichkeit einer offenen Spielweise, ansonsten wird ein verdecktes Spiel für die Fantasiewelten wichtig. Die Errungenschaft computergesteuerter Licht- und Toneffekte kommt voll zum Einsatz und ermöglicht ein Solospiel mit viel 'Theatezauber'. Ein Ereignisreiches Jahr!

1990

Das Solo von und mit Michael Nöck Gebhardt-Seele hat im Juni 1990 Premiere: "KANTO - Einer der auszog, durch Türen zu reisen". Neben der inhaltlichen Idee, die über lange Zeit gereift war, ging es dem Autor darum, ein sehr kleines Stück zu entwickeln mit äußerst sparsamem Einsatz von Technik. Spiele in kleinen Räumen 'vor Ort' waren bevorzugt angepeilt. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum sollte weitestgehend aufgebrochen werden zugunsten einer erzählerischen Nähe. Kenner wissen, dass trotz aller Verschiedenheit alle drei Solos richtige 'Fadenschein-Stücke' sind.
Als kleiner Jux am Rande werden im Herbst in der Fadenschein-Werkstatt eine Reihe herrlicher 'Bettwürste' gefertigt, die sind zu sehen in "Die Reise zum Mittelpunkt des Sofas" vom KLAPPMAUL-Theater in Frankfurt. Hanne Scharnhorst führt dort Co-Regie. 1991 Angelika Rolle - inzwischen längst zu einem unentbehrlichen Bestandteil des Theaters herangewachsen - beginnt im Herbst 1991 ihre Arbeit im Fadenschein-Büro. Sie bringt endlich Kontinuität in die Tournee-Planung und zunehmend auch in die so wichtigen Kontakte zu Politikern und Förderern. Michael Nöck Gebhardt-Seele entwickelt das Bühnenbild für die "Geschichte vom Onkelchen", das unter der Regie von Karla Mehrtens im 'Theaterspielplatz' (Kinder- und Jugendtheater des Staatstheaters Braunschweig) im Frühjahr 91 zur Aufführung kommt.
Alle Vorstöße im Kulturamt, die Situation des 'FIGURENTHEATERs IN DER BRÜCKE' zu verbessern, hatten kein Ergebnis gebracht. Die wachsende Enttäuschung über die Unmöglichkeit, den Spielbetrieb in Braunschweig auszuweiten und der guten Publikumsresonanz zu entsprechen ließ in langem und zähem innerem Ringen eine denkwürdige Entscheidung reifen: Ein eigenes Theater muss her! Im November 1991 zieht das Theater in die vorerst nur notdürftig renovierte ehemalige Konservenfabrik am Bültenweg um und richtet sich dort schon mal mit Büro, Werkstatt und Probenraum provisorisch ein. Und dann geht's erst richtig los: Es folgen fünf lange Jahre auf der Baustelle mit nimmer enden wollendem Staub, Genehmigungsverfahren mit Stolperschwellen, endlose Rennereien um Geld und Fürsprache, dennoch manchem Rückschlag - wie's eben so geht, wenn ein freies Theater baut. Aber folgen wir der Chronologie...

1992

Nach der freudigen und großräumigen Berichterstattung in der örtlichen Zeitung über die Errungenschaft eines festen Standortes, steht postwendend das Bauordnungsamt auf der Türschwelle und möchte "den Betrieb schließen". Der große Schreck legt sich jedoch bald wieder, denn schließlich ist das Gebäude schon seit über 40 Jahren keine Konservenfabrik mehr, außerdem wurde bereits das Architekturbüro Bernd Grigull mit den Planungen für den Umbau zum Theater beauftragt und so begnügt sich die Behörde mit dem Warten auf den Bauantrag. Auch die Bereitstellung der nötigen Geldmittel ist natürlich ein großes Abenteuer und es bedarf vieler Wege und Umwege, bis endlich die Stadt und auch das Land Niedersachsen ansehnliche Beträge in Aussicht stellen.
           Nebenbei sei bemerkt, dass auch Puppenspieler ein Privatleben haben, so wird im Frühjahr bei Scharnhorsts das zweite Kind geboren, im Herbst bei Gebhardt-Seeles das dritte. Martin Schimmöller begnügt sich vorerst mit seinem Sohn und macht zwischenzeitlich ein neues Solostück: "Vom Müller und den Gespenstern" - Premiere im November 1992. Im Zentrum der Arbeit steht die Entwicklung der Rolle des "Max Müller". Beobachtung und Nachahmung, Improvisation und schauspielerisches Training bestimmen die Probenarbeit. Im direkten Kontakt zu den Kindern erzählt dieser Max Müller seinen Alltag und seine dabei entstehenden Gespenstergeschichten. Der Spieler kann in seiner Rolle jederzeit Situationen aufgreifen, auf Einwürfe reagieren oder Pannen beheben. Diese Figur des Müllers bleibt den Kindern sehr einprägsam im Gedächtnis, sodass der Spieler auch später oft mit einem fröhlichen "Hallo Müller" begrüßt wird.

1993

Die viele unermüdliche Arbeit zum Einen an den laufenden Baumaßnahmen (die zudem ständig teurer werden!), zum Anderen durch die zwingende Notwendigkeit, die Existenz des Theaters auch finanziell zu sichern, zollt ihren Tribut. Und frei nach dem Motto "Wir werden alle nicht jünger" bleiben auch Puppenspieler nicht von gesundheitlichen Krisen verschont und werden irgendwann von der Natur gezwungen, den Raubbau der persönlichen Energien zu überdenken. Es setzt eine Serie gesundheitlicher Ausfälle ein, denen als erstes die Fertigstellung des Stückes "Das kühne Mädchen" zum Opfer fällt. Ursprünglich für Herbst 1993 geplant, musste die Premiere verschoben werden, die Arbeit hatte gut begonnen, das Konzept stand, teilweise auch die sehr komplizierte Bühnentechnik, doch bis zur endgültigen Fertigstellung werden noch über zwei Jahre vergehen.
Ein großes Ereignis ist aber im September 1993 die Feier des 10-jährigen Jubiläums vom FIGURENTHEATER IN DER BRÜCKE. Es gibt eine Festwoche als Revivalprogramm mit lauter Stücken aus der allerersten Zeit, dazu eine schöne Ausstellung mit Puppen und Ausstattungen in den Räumen der 'Brücke'. Nele Staußke hilft als Praktikantin fleißig mit.

1994

Das Programm in der Brücke geht in die letzte Runde. Im Sommer wird der Eröffnungstermin des neuen Theaters - zwischendrin mehrfach verschoben - wagemutig auf Januar '95 festgelegt. Die Bauarbeiten im Haus am Bültenweg sind voll im Gange und ziehen viel Energie ab. Zwischen all dem Tohuwabohu und ständig vom Bauschutt von einer Ecke zur nächsten vertrieben wird übers Jahr immer wieder mühsam am Stück gearbeitet: Im November 1994 hat dann endlich "Das kühne Mädchen" Premiere. Es ist die letzte Premiere in der 'Brücke'.
Die Besetzung im Kulturamt - die mittlerweile eine ganz neue ist - läßt FADENSCHEIN nur äußerst ungern ziehen (das Programm wird der Brücke fehlen), aber all sind loyal und der Abschied ist herzlich.
Das Stück allerdings - das ach so kühne - ist trotz erster Runde noch immer nicht recht fertig, man merkt ihm das Produktionsdilemma an. Nachdem es noch einmal ein Weilchen ruhen muss, wird es dann im Frühjahr 1996 in Ruhe überarbeitet. Das bekommt ihm ausgesprochen gut. Von da an wird es dann von allen drei Fadenscheins gemeinsam gespielt, das gab es lange nicht mehr, so eigentlich überhaupt noch nie ... Ist doch schön!
Mit der eingängigen Musik von Andreas Rebers und raffinierten technischen Effekten im blauen Erdenrund haben wir die Geschichte immer gern gespielt. Aber offenbar war sie doch einfach zu aufwändig, verkaufte sich im Tourneebetrieb nur schwer und wurde nach ca. 7 Jahren "schon" ausgemustert.
Ein großes Highlight dieses Jahres ist im September 1994 die Reise in die Partnerstadt Kasan im fernen Tatarstan. Als Teil der offiziellen braunschweiger Delegation ist FADENSCHEIN mit dem Stück "ZilpZalp in der Zwitscherbude" dabei und wird von den Kollegen des "Teatr Kukol" aufs herzlichste aufgenommen. Die Ausstattung war schon Wochen vorher dick verpackt mit dem LKW auf den Weg gebracht worden, die Spieler reisen mit Flug und Bahn, wobei die Fahrt im "Tatarstan-Express" mit Sicherheit eine bleibende Erinnerung hinterlässt. Mittlerweile war natürlich auf der Baustelle einiges los:
- Große Aufregung, als fest eingeplante Mittel der Lottostiftung plötzlich doch nicht fließen sollen. Nicht zuletzt der persönliche Einsatz der Ministerin für Kunst und Kultur läßt das kleine Team schließlich mal wieder erleichtert aufatmen.
- Seit Anfang '94 sind die Jungs und Mädels vom Projekt "Arbeiten und Lernen" des Jugendamtes auf dem Dachboden eifrig dabei, aus dem ehemaligen Taubenfriedhof freundliche und helle Räume zu machen, wo später Kinder tanzen, schwangere Frauen ihr Yoga üben, Theaterleute trainieren und und und ...
- Im zukünftigen Theatersaal müssen Wände fallen. Um das möglich zu machen, ist eine aufwändige Stahlkonstruktion nötig, die bis in den Keller reicht und viel Stahbeton unter den Füßen braucht. Anfang '94 kommt der Abbruchhammer zum Einsatz und es wird furchtbar spannend, ob alles halten wird, wie weit sich das Haus setzt, ob die vielen neuen Fliesen im OG an der Wand bleiben ... Ist ja dann alles gut gegangen und schon im Frühjahr '94 ist der Saal so weit hergestellt, dass er als Puppenspielertreff anlässlich der Braunschweiger Puppenspielwoche genutzt werden kann.
- Das Haupthaus wird mit der Gaststätte durch ein Foyer verbunden, wo dann auch die Toiletten sind. Sündteuer, aber eben notwendig. Schön wird es auch - doch das dauert noch.

1995

Am 29.1.1995 wird das neue Theater eröffnet. Juhu! Nix ist fertig - natürlich. Das Foyer ist ein Rohbau, die Toiletten ebenso. Die Gaststätte nebenan ist wüste Baustelle. Das Geld ist alle. Aber so ist es eben. Und offenbar fügt das dem Erfolg keinen Schaden zu. Die Eröffnung ist feierlich und fröhlich und das erste Programm ist sehr gut besucht. Überhaupt: Es wird sich sehr schnell herausstellen, dass die Entscheidung zum eigenen Haus goldrichtig war. Die Gestaltung des eigenen Ambientes, endlich eine persönliche Prägung herstellen zu können bewährt sich voll und ganz. Und die Publikumszahlen werden in den nächsten Jahren die kühnsten Erwartungen übertreffen.
Im Sommer sind dann auch alle Bauarbeiten soweit gediehen, dass mit einer Festwoche in Haus und Hof der Einzug gebührend gefeiert werden kann. Braunschweig hat ein eigenes Figurentheater! - Wer hat das schon...
Anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt Braunschweig gibt das Kulturamt ein Puppenspiel in Auftrag: Martin Schimmöller entwickelt eine Version der Heinrichsage, die unter dem Titel "Drachenschwanz und Löwenzahn" im August 1995 Premiere hat. Der Mittelaltercharakter drückt sich im Spiel durch den Einsatz großer, archaisch geschnitzter Holzfiguren aus, die eine derbe Spielweise ermöglichen (allerdings beim Proben den Spieler immer wieder an seine physische Grenze verweisen!), daneben stehen filigrane, comicartige Zeichnungen und mittelalterliche Tänze. Der Spieler balanciert in offener Spielweise zwischen Bänkelgesang und Abenteuerspektakel. Für die Schulklassen, die sich mit der Geschichte des braunschweiger Herzogs befassen, bietet sich eine Vor- und Nachbereitung an.
Parallel arbeiten Hanne Scharnhorst und Michael Nöck Gebhardt-Seele zusammen mit Rudi Schmid vom Fliegenden Theater in Berlin an einem neuen Stück für das Weihnachtsprogramm. Die intelligente und gänzlich 'unkitschige' Variante des weihnachtlichen Themas von Frederik Vahle spricht alle Beteiligten spontan an. Stark inspiriert von den Bildern Pierre Thomé's wird aber nicht so sehr an einem Text, sondern eher an Stimmungen entlang inszeniert: wehender Wind, fliegende Blätter, schneiender Schnee, plätscherndes Wasser und wachsende Blumen machen den Wechsel der Jahreszeiten sinnlich erfahrbar. Eine wichtige Funktion hat der Einsatz von Lifemusik und -geräuschen mit Violoncello, Mundharmonika etc. - tatkräftig unterstützt vom Lichtcomputer. Im November 1995 hat das Stück "Der kleine Bär und die lange kalte Winternacht" Premiere (und ist eigentlich dann am schönsten, wenn die Hasen 'Tanzplatz' machen!).
Die Vor-Weihnachtszeit entwickelt sich schnell zur Hauptsaison - Tendenz steigend. In dieser Phase wird die Bühne im Haus am Bültenweg nicht kalt. Parallel dazu läuft auch der Tourneebetrieb auf Hochtouren und es sind ständig zwei Spielteams beschäftigt. Die Phase erfordert höchsten Einsatz aller Beteiligten und die darauf folgende Pause im Januar erweist sich zunehmend als notwendig.

1996

Der "Freundeskreis Figurentheater Fadenschein e.V." wird ins Leben gerufen. Freunde und Besucher des Theaters finden sich hier zusammen und tragen mit Mitgliedsbeiträgen die Belange des Theaters mit, oder langen auch mal tatkräftig zu.
Im Sommer wird der erste Versuch mit einer Spielserie bei den freundlichen Nachbarn im Botanischen Garten gestartet: Theater für jung und alt auf der grünen Wiese unter malerischen Bäumen zum Feierabend. Die Aktion wird ein voller Erfolg und erfreut sich bei den Braunschweigern schnell einer überschäumenden Beliebtheit. Klar, dass die Sache wiederholt wird!
Das Kinderprogramm ist also insgesamt prima angelaufen und es entsteht schnell der Wunsch, endlich auch wieder im Bereich des Abendprogramms tätig zu werden: Zuerst wird lange an einem Rahmen für das neue Abendprogramm gefeilt. Soviele Kleinigkeiten sind maßgeblich für das Gelingen der Abende. Hanne Scharnhorst, Angelika Rolle, Monika Fischer (Fotos) und Evelyn Marwehe (Praktikantin der Kulturpädagogik) arbeiten an der Gestaltung "vor Ort" und in der Öffentlichkeit. Ein spezifisches Erscheinungsbild, das Esprit und Sinnlichkeit auch optisch verknüpft, entsteht: "AugenSchmaus" Für den kulinarischen Teil steuert eine Freundin des Theaters, Liane Hensling-Pohl, fruchtbare (und schmackhafte) Ideen und auch Taten bei.
Von dieser Ideenvielfalt lassen sich die Förderer und Sponsoren gerne inspirieren. Insbesondere die Stiftung Nord LB - Öffentliche (Herr Hartmann und Herr Richter) ist überzeugt und zeigt dies auch. Parallel dazu wird der Braunschweiger Autor Hartmut el Kurdi beauftragt, zu der Ausstattung und der Grundidee der alten Kasper-Karagöz-Geschichte ein ganz neues Stück zu schreiben. Diese Zusammenarbeit erweist sich als prima und im Oktober 1996 startet die AugenSchmaus-Reihe mit der Premiere von "Der Imbisskrieg - oder nenn mich Ömer" (inszeniert hat Martin Huber, der in Braunschweig auch kein Unbekannter ist). Das Stück kommt sehr gut an und wird über die Jahre immer wieder im Programm auftauchen und sich zu einem begehrten Geheimtip entwickeln.

1997

Schon länger werden Pläne gewälzt, dem nicht tot zu kriegenden Uraltrenner "ZilpZalp" einen Nachfolger zu bescheren. Heraus kommt gar eine vergnügliche Fortsetzung: Martha Knutt 2. Teil heißt "Ein Lied für Martha" und hat im August 1997 im Botanischen Garten Premiere.
Die Grundschule in Woltwiesche will ihre eigene "Zwitscherbude" haben und sie bekommt sie auch.
Die unentbehrliche Tätigkeit des Hausmeisters wird schon seit einigen Jahren über HZA-Stellen geregelt. In diesem Jahr gibt es eine solche Stelle erstmalig auch für Büromitarbeit und Kassendienste. Ebenfalls erstmalig wird eine Jahrespraktikantin im 'Fadenschein' beschäftigt (Schnupper- und Schülerpraktika gab's auch vorher schon).
Im September wird im Theaterspielplatz von Michael Heicks Mozarts unvollendete Oper "Zaide" inszeniert. Mit dabei Michael Nöck Gebhardt-Seele als Spieler und Ausstatter im Bereich Figurenspiel. Eine reizvolle Zusammenführung von Schauspiel und Figurentheater entsteht in einer ausgesprochen intensiven Arbeitsphase, die für eine Weile Tag und Nacht die FADENSCHEIN-Werkstatt schier aus den Fugen bersten läßt.
Davor und währenddessen und anschließend läuft die Produktion des "ZAUSEL", der dann im November 1997 Premiere hat - wieder eine schöne Zusammenarbeit mit Martin Huber. Eine gewisse Rolle spielt hierbei der immer wiederkehrende Gedanke der "Bildhaftigkeit", beim Kühnen Mädchen wurden z.B. bewegte Bilder arrangiert, beim Kleinen Bär waren's vor allem auch die Bilder im Bilderbuch, die Ausgangspunkt waren - warum also nicht auch mal eine Geschichte anhand von Gemälden erzählen? Im Übrigen fügt es sich ausgezeichnet, dass die Drogenberatung Braunschweig ein Stück in Auftrag geben möchte und mit der SPARDA-Bank Hannover auch schon den Sponsor hat und als sich herausstellt, dass hierfür die Geschichte vom ZAUSEL geradezu prädestiniert ist, steht der Arbeit nichts mehr im Weg. Besser kann die Zusammenarbeit von Auftraggeber, Sponsor und Künstler nicht sein. (Auch das muss mal gesagt werden!)

1998

Parallel zu dem Vorstellungsblock des "ZAUSEL" im Frühjahr '98 wird in der 'Brücke' eine schöne Ausstellung von Kinderbildern eingerichtet, die das Stück öffentlichkeitswirksam aufbereitet und zeigt, wie die Kinder sich nachhaltig mit dem Gesehenen beschäftigt haben.
Für Martin Schimmöller soll nun das Märchenerzählen im Mittelpunkt einer Inszenierung stehen und er bringt im November 1998 eine Bearbeitung des Märchens "Die Schneekönigin" auf die Bühne. Stückkonzeption, Spieltechnik und Erzählweise werden weitgehend vom Spieler alleine in Klausur vorbereitet. Anschließend ist eine ausgiebige Bauphase nötig, geprobt wird dann überwiegend mit Videokontrolle. Eine aufregende Variante der Produktion mit ganz spezifischen Möglichkeiten. Die sehr komplexe Geschichte wird auf wesentliche Stationen reduziert und im Stil eines Märchenerzählers dargestellt, wobei in Anlehnung an das Umblättern des Märchenbuches die einzelnen Szenenbilder aus einem Komplex von Kisten und Gegenständen heraus "beleuchtet" werden. Gemeinsam mit dem Deutschen Forum für Puppenspielkunst wird im Sommer ein Symposion zum Thema "Kinderspiel" veranstaltet. Als Dozenten sind Onno Grohmann und Margrit Gysin geladen und so wird im FADENSCHEIN drei Tage lang erprobend und debattierend das Thema gewälzt, wie mit Kinderfiguren auf der Bühne umzugehen sei. "ZilpZalp in der Zwitscherbude" wird in Nordrhein Westfalen zum "Kindertheater des Monats" ausgewählt und hat während drei Monaten zahlreiche Gastspiele dort: Open air in Fußgängerzonen, in Schlossparks, Ferienaktionen etc. mit bis zu 500 Zuschauern. Im Einzelnen ist sowas ja gar nicht unbekannt nach 15 Jahren Torneebetrieb, doch in dieser Häufung schon eine Ausnahme.
Saskia Lischkewitz beginnt im Sommer ihr Jahrespraktikum.
Längst hat sich herausgestellt, dass der Betrieb eines eigenen Theaters doch eine fundamental andere Dimension hat, als das frühere Tourneeunternehmen. Mehr Mitarbeiter sind notwendig (vor allem auch feste), das Finanzvolumen ist plötzlich ziemlich gewachsen und natürlich auch die Verantwortung. (Die parallel hierzu eigentlich dringend notwendige Aufstockung der verlässlichen Fördermittel ist leider bislang ausgeblieben).

1999

Erstmalig gibt es im FADENSCHEIN eine "Auszubildende": Silke Just absolviert als Umschulungsmaßnahme des Arbeitsamtes ein Praxistraining, in dem sie sich zur freiberuflichen Puppenspielerin weiterqualifizieren möchte. Kräftig unterstützt von Fadenscheins präsentiert sie im Mai ihre Abschlussarbeit, ein Solostück für Kinder ab 4 Jahren: "Das Zauberhuhn" (frei nach einer Erzählung von Hans Fallada). Ina Hauke hat eine ABM-Stelle und bereitet a) die Internetpräsenz von Fadenschein mit einer eigenen Homepage und b) eine theaterpädagogische Betreuung rund ums Kinderprogramm vor. Auch Waldemar Kusainov, der als vielseitiger Handwerker und Hausmeister schon eine Weile dabei ist, bekommt endlich die ersehnte ABM und kann wieder kräftig zulangen. Anfangs vom Sozialamt bezahlt, dann stundenweise als freier Mitarbeiter ist er zu einer schwer wegzudenkenden Hilfe in der Werkstatt geworden, vor allem aber auch, um das große Haus mit all seinen Winkeln und Ecken in Schuss zu halten.
Das Theater Fadenschein bereitet das 15-jährige Jubiläum vor und spielt das gesamte verfügbare Repertoire. Außerdem wird natürlich am 15. Stück gearbeitet. Endlich ist mal wieder das gesamte Ensemble beteiligt und zusammen mit Rudi Schmid aus Berlin wird ein aufregend neuer Weg beschritten: In einer weiteren Variante wird der Gedanke der Bildhaftigkeit ausgelotet und zu Bildern des Malers Paul Klee wird in einem sehr offenen assoziativen Prozess eine Abendproduktion für den "AugenSchmaus" entwickelt. Bis das dann aber soweit ist, vergehen noch ca. 3 Jahre ........

über die ersten 15 Jahre ist 1999 eine Jubiläumsbroschüre entstanden, sie enthält den vorstehenden Text, zahlreiche Bilder und Stückbeschreibungen. Im selben Muster ist Anfang 2014 der zweite Band erschienen. Grundlage dafür ist der nun folgende Text. Auch diese Broschüre enthält zahlreiche Bilder und Stückbeschreibungen. Beide Hefte sind im Theater Fadenschein erhältlich.

2000

Die Jubiläumsbroschüre 1999 endete mit dem fröhlichen Satz "Der Klee wächst". Das bedeutet, dass seit 1999 eifrig und beharrlich an einem Bühnen-Projekt zu dem Maler Paul Klee gearbeitet wurde. Die Inszenierung knüpft an die skurrilen, teilweise kindlich wirkenden Zeichnungen Paul Klees an, die manchmal leicht und humorvoll anmuten, aber auch ernst und abgründig sein können. Es werden dadaistische Gedichte, Kinderverse, Texte bekannter Schriftsteller und natürlich Klees Tagebuchaufzeichnungen be- und verarbeitet. Die für das Jahr 2000 vorgesehene Premiere muss dann allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da Nöck Gebhardt-Seele mit einer schweren Erkrankung ab Ostern 2000 ausfällt. Stattdessen befassen sich Hanne Scharnhorst und Martin Schimmöller mit dem Kindergarten-Klassiker: "Es klopft bei Wanja in der Nacht" - ein Bilderbuch mit Texten von Tilde Michels. Das Bühnenbild dazu fertigt der Maler Gerhard Scharnhorst. Unter der Regie von Manfred Roth entsteht ein wunderbarer Teppich für die beiden Spieler, auf dem der Friedensappell der Geschichte sehr verschmitzt zum Tragen kommt. Der Text aus dem Buch wird unverändert eingebaut. Die Musik von Anette Hillar legiert den Genuss wie die Sahne in einer feinen Soße. Die Premiere leitet das Weihnachtsprogramm 2000 ein und es folgt eine sehr erfolgreiche Serie von Vorstellungen. Das Stück wird 2011 grundüberholt - wieder mit Manfred Roth in der Regie - und wird seitdem von Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele gespielt.

Erstmalig hat das Fadenschein-Programm ein Motto! Eigene und Gastspielinszenierungen werden passend zum Thema ausgewählt: Die Stiftung Nord/ LB-Öffentliche fördert eine Spielreihe "Kunst und Literatur im Figurentheater".

Ina Hauke, die seit dem letzten Jahr eine geförderte Arbeitsstelle im Theater inne hat, entwickelt die erste Homepage für das Theater Fadenschein, die in diesem Jahr ins Netzt geht. Dieser Schritt erweist sich sehr schnell als sinnvoll und notwendig. Die schnell wachsende Computerbegeisterung macht auch vor diesem Betrieb nicht halt und wie an so vielen anderen Stellen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben führt diese neue Technik auch im Theater Fadenschein zu ausgesprochen nachhaltigen Veränderungen. Die Mitarbeiter werden sich immer wieder fragen, wo bleibt eigentlich die Zeit, denn man sitzt am PC und sitzt am PC und …
Die Idee, mit Ina Hauke eine theaterpädagogische Schiene aufzubauen, hat sich leider als nicht umsetzbar erwiesen und so trennen sich diese Wege nach einem Jahr wieder.

2001

Anke Diedrichs (später Theater Anke Berger), tritt mit dem Theater in Kontakt. Beseelt von Nöck Gebhardt- Seele's "Kanto - Einer der auszog durch Türen zu reisen" ist ihr sehnlicher Wunsch: Puppenspielerin werden. Da passt es gut, dass die Stadt Braunschweig nach einer Produktion für das "Troja"- Festival fragt. Das Kulturinstitut gibt 6 Produktionen in Auftrag. Eine davon wird dann das Kinderstück des Theaters Fadenschein "Der Prinz von Ithaka". Unter der Regie von Doris Schlott, die der Puppenspielerschmiede "Ernst Busch", Berlin entstammt und ihre professionellen Erfahrungen als Dozentin und Intendantin in die Inszenierung konsequent einbringt und an der Seite von Hanne Scharnhorst und Martin Schimmöller sammelt Anke Diedrichs erste Bühnenerfahrungen. Götter-Masken werden gebaut, Puppenköpfe auf Fahrradhelme montiert, Szenen werden entwickelt - ein ausdrucksstarkes Stück entsteht.
Nöck Gebhardt-Seele ist nach seiner Erkrankung noch nicht wirklich zurück, steigt aber in der letzten Phase für's Bühnenbild mit ein. Mit großen Masken und einer eigenwilligen Konstruktion von "Überkopf- Figuren" in einem wandelbaren Bühnenbild aus griechischen Tempelsäulen und einem großen Rahsegel ist das Stück gut im Freien spielbar. "Der Prinz von Ithaka" feiert im Sommer 2001 im Botanischen Garten in Braunschweig Premiere. Bis spät in die laue Sommernacht wird anschließend auf dem Fadenschein-Hof in großer fröhlicher Runde gezecht und gesungen, dass es eine wahre Freude ist!

Eine kleine Erhöhung des städtischen Zuschusses konnte verhandelt werden und Ralf Spangenberg wird als Hausmeister und Techniker eingestellt. Juhuuu! Endlich! Schon lange fehlte so jemand im Team. Das eigene Haus bewährt sich prima und niemand bereut den Schritt, auch wenn der Veranstaltungsetat beim Kulturamt in der "Brücke" bleiben musste und die neue Situation im städtischen Zuschuss nicht wirklich Berücksichtigung fand. In so einem Haus ist natürlich an allen Ecken und Enden dauernd etwas zu verbessern und zu reparieren, ein Hausmeister ist längst fällig! Ralf Spangenberg ist indes nicht nur Hausmeister, er begleitet Produktionen an der Technik, hilft in der Werkstatt mit und an vielen weiteren Stellen, wo es nötig ist.

Wie immer ist das Theater Fadenschein mit seinen Stücken mobil unterwegs, in diesem Jahr unter anderem mit einer Tournee von vier Wochen durch Süddeutschland. Gespielt wurden "Wanja" und "Ferdinand".
Im Herbst kehrt Nöck Gebhardt-Seele dann gut gestärkt und frischen Mutes wieder voll an die Arbeit zurück.
Die Herbst- und Weihnachtsspielzeit ist randvoll und ehe wir uns versehen, ist wieder ein Jahr um.

2002

Die Haushaltskürzungen der Stadt Braunschweig sausen zum Anfang des Jahres wie eine martialische Keule mitten hinein in die kleine Kulturfirma. Der Etat ist natürlich längst vollständig verplant und ja sowieso viel zu knapp. Nach vielem Haare raufen und Rechnen muss die Notbremse gezogen werden: Ralf Spangenberg, dem ersten und einzigen festen Hausmeister muss wieder gekündigt werden. Das ist wahrhaftig bitter! Es folgen 10 sehr harte Jahre mit knappen Kalkulationen. Die Bereitschaft zur Selbstausbeutung ist zwar als wesentliche Erfolgsgrundlage ungebrochen, doch wird sie ab jetzt auf harte Proben gestellt. Der Existenzkampf dieser Jahre geht am Team nicht spurlos vorüber. Wir werden sehen…

Trotz dieses unglücklichen Umstandes gelingen in diesem Jahr gleich zwei sehr anspruchsvolle Produktionen: Zuerst wird die Arbeit an der "Kleemaschine" wieder aufgenommen. Mit Rudolf Schmid vom Fliegenden Theater (Berlin) in der Regie werden die bereits geleisteten Vorarbeiten und Improvisations-Experimente wieder hervorgeholt, gesichtet, aktualisiert und schließlich in einen offenen assoziativen Zusammenhang gebracht. Es gibt keine Geschichte im eigentlichen Sinne. Klee's Tagebücher sind zwar Studienobjekt und Ausschnitte daraus werden aufgenommen. Doch geht es explizit nicht darum, Klee zu interpretieren, oder seinen Werdegang zu erzählen. Eine Herausforderung ist es immer wieder, einerseits ohne "Geschichte" auszukommen, andererseits nicht der Beliebigkeit zu verfallen. Das Experiment dieses Projektes ist es, im Schaffensprozess ähnlich wie ein bildender Künstler vorzugehen und dennoch dramaturgische Gesetze zu berücksichtigen. Ein Teil der Besucher vermisst die Handlung, ein anderer Teil kann sich dem assoziativen Reigen anvertrauen, da sind dann auch heftige Begeisterungsstürme möglich und es gibt Gäste, die immer wieder kommen, regelrecht "süchtig" werden. Die Bitte nach "Erläuterung" wird - ganz dem Vorbild Klee's folgend - lange Zeit entschieden abgelehnt. Das Stück soll aus sich selbst heraus wirken. Kunst soll nicht erklärt werden müssen. Diese konsequente, doch vielleicht ein wenig harte Vorgehensweise wird später gelockert. Zu den letzten Vorstellungen im Theater Fadenschein wird eine kleine Vorbereitung angeboten, die drei Aspekte umfasst, nämlich etwas zur Biografie Klee's zu erzählen, die Arbeit am Stück und ausgewählte Bilder vorzustellen. Dieser Kompromiss führt zur Bereicherung sowohl der Zuschauer als auch der Spieler. Das Stück "Die Kleemaschine" ist sicher das experimentierfreudigste Projekt des Teams und beansprucht einen besonderen Platz in der Werkeliste. Auch im Hinblick auf den Ansatz der "Bildhaftigkeit", der im Theater Fadenschein immer wieder eine große Rolle spielt, ist dieses Stück wohl das konsequenteste und aufregendste.
An der Stelle sei noch angemerkt, dass es im Februar 2000 die Schülerpraktikantin Mirjam Hesse im Theater Fadenschein aus der 9. Klasse der IGS Querum gab. Von ihr wird später noch mehr zu lesen sein. In Begleitung der Arbeit an der Kleemaschine hat sie dann zu Paul Klees Bild "Die Zwitschermaschine" diese als bewegliches Objekt nachgebaut - eine bemerkenswerte Arbeit.
Nach dem Ausscheiden von Martin Schimmöller im Jahre 2009 kann das Stück nicht mehr gespielt werden. Rudolf Schmid übernimmt daraufhin die Produktion, die nach gründlicher Überarbeitung vom Ensemble des Fliegenden Theaters wieder aufgeführt wird.

Neben der Begeisterung für die Malerei spielt bei Nöck Gebhardt-Seele die Liebe zur Musik (auch der klassischen) eine große Rolle, so wird als nächstes Projekt Mozarts berühmte Oper zu dem Kinderstück "Die Kleine Zauberflöte" bearbeitet. Nach der ungeheuer zeitaufwändigen Arbeit an der "Kleemaschine", muss das nun eine sehr geradlinige Arbeit in einem äußerst engen Zeit-Korsett werden. Mit dem Laptop am Ostseestrand im Familienurlaub gelingt ein Entwurf für die Geschichte, erst dann wird das Wagnis eingegangen, die Premiere für den Herbst in den Spielplan aufzunehmen. Als Manfred Roth für die Regie anreist, existiert ein fertiges Stück mit vielen angedachten Spielideen, auch eine Art Probebühne steht zur Verfügung. Der Regisseur ist Feuer und Flamme für die vorhandenen Ideen, die Arbeit schreitet ausgesprochen zügig und Hand in Hand voran. Seine Opernbegeisterung und -erfahrung bewährt sich prima. Man inspiriert sich gegenseitig. Zum Einsatz kommen wieder die für "Kanto" entwickelten "Modellierfiguren" auf einer Tischbühne, dazu wird eine mozartgerechte und verpackbare Barockkommode gebaut. Die Sorge mancher Kollegen, dass die Geschichte um Pamina und Tamino nicht für Kindergartenkinder erzählt werden könne, erweist sich als völlig unbegründet. Auch die Frage, ob klassische Musik für Kinder geeignet sei, beantwortet sich von selbst. Elmar Vibrans hat Mozarts Musik in einer kammermusikalisch sehr durchsichtigen Form bearbeitet und damit eine wesentliche Stütze zum Erfolg beigetragen. Diese ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit wird demnach nicht die Letzte bleiben. Das Stück wurde mittlerweile im Theater Fadenschein und auf Tournee ca. 300 mal aufgeführt, es ist damit eines der meistgespielten Stücke im Repertoire und löst immer wieder begeisterte Resonanz aus. Schön ist darüber hinaus auch immer wieder, wenn Erwachsene nach der Vorstellung schmunzelnden Auges bekennen, dass sie nun endlich die Geschichte von Mozarts berühmter Oper verstanden hätten.
Das Stück war im Oktober 2006 von der niedersächsischen Lottostiftung eingeladen zum Preisfestival in Lingen als eines der sechs besten freien Kinder- und Jugendtheaterstücke in Niedersachsen. Ein schöner Erfolg!

Mit dem Freund und Kollegen Rudolf Schmid aus Berlin ergibt sich im Weihnachtsprogramm zum ersten Mal ein Austauschprojekt: Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele spielen ihr Stück "Der Kleine Bär" in Berlin, im selben Zeitraum bespielt das Fliegende Theater das Haus des Theaters Fadenschein. Die Abrechnung erfolgt ungewöhnlich: alle Einnahmen aus Braunschweig und Berlin kommen in einen Topf, werden einmal kräftig gerührt und dann wieder durch zwei geteilt. Alle Beteiligten haben viel Vergnügen an diesem Projekt und so wird es in den Folgejahren noch ein paar Mal wiederholt.

2003

Der ökonomische Druck verstärkt Spannungen im Team. Nach ersten Vorversuchen in der jüngsten Vergangenheit begibt sich das Team nun in die Hände einer erfahrenen "Teamentwicklerin" und lässt sich coachen. Interessante Erfahrungen werden gemacht, es entsteht eine Firmenphilosophie und ein organisatorisches Unternehmenskonzept. Manche Linien ergeben sich sehr schnell gemeinsam, andernorts ist Toleranz und Zulassen des Fremden angesagt. Der Begriff "aktives Vertrauen" schält sich als eine wesentliche Grundlage der Teamarbeit heraus. Der Zwang zum ökonomischen Handeln und Planen hat sehr bedeutsamen Einfluss auf die strukturelle Entwicklung. Aus dem lockeren Zusammenschluss von Künstlern in den 80er Jahren, die von der Hand in den Mund lebten, ist in einem schleichenden Prozess unversehens eine "Firma" geworden. Feste wirtschaftliche Grundanforderungen mit einem eigenen Haus, einem regelmäßigen Spielbetrieb und einem gewissen Bedarf an festen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zwingen zu wirtschaftlichem Denken und Planen - das läuft durchaus auch mal konträr zum künstlerischen Vorgehen und ist eine große Herausforderung für alle. Es gilt, unbekannte Fertigkeiten zu entwickeln und mit der neuen Situation kreativ umzugehen. Dieser Prozess wird sich über die nächsten Jahre erstrecken und so manche überraschende Konsequenz haben.

Mit den Braunschweiger Kolleginnen vom Theater Feuer und Flamme wird eine Kooperation in die Wege geleitet, als befreundetes Theater sollen die beiden regelmäßig im Spielplan zu Gast sein (auch wenn es sich dabei nicht explizit um Figurentheater handelt). Wie es oft so ist, erweisen sich schöne Gedanken dann doch als schwierig in der Praxis. Die kollegiale Solidarität ist immer noch unbenommen vorhanden, die zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten begrenzen jedoch die Zusammenarbeit.
Im Herbst gibt es wieder eine Premiere mit einem neuen Kinderstück: "Zauberhexen Hexenzauber" von und mit Martin Schimmöller. Hierbei reizt es ihn, mal ganz auf sich gestellt zu sein: Kein Regisseur und auch sonst keine wirklichen Mitarbeiter. Das Team hilft ein wenig bei der Ausstattung und Anette Hillar trägt wieder musikalisch zum Gelingen bei. Die Stadtreinigung Braunschweig stellt ein Fuder richtig "hexischer" Reisigbesen zur Verfügung und so wird auch diese Premier wieder fröhlich gefeiert.
Parallel dazu war Anke Diedrichs mit einer Projektidee auf Hanne Scharnhorst zugegangen. "Die Sonne im Gesicht" beschäftigt sich mit der politischen Situation in Afghanistan. Mit zwei afghanischen Betten und viel Enthusiasmus wird in einem langen Improvisationsprozess nach Formen gesucht, die repressive Vorgehensweise der Taliban gegen Mädchen und Frauen für Jugendliche anschaulich zu machen. Anke Diedrichs hat mittlerweile enge Kontakte zu der weltbekannten Schweizer Kollegin Margrit Gysin geknüpft. Später wird hieraus ein Ausbildungsverhältnis und die eine und andere gemeinsame Arbeit. Einstweilen ist Margrit Gysin immerhin mit einigen Tagen Regieberatung dabei. Dadurch und durch die intensive Zusammenarbeit mit Sylvia Hayden, der in Braunschweig ansässigen, international anerkannten Tänzerin und Choreografin öffnen sich künstlerisch ganz neue Türen. Im Herbst gerät die Arbeit in eine entscheidende Phase und eine Gruppe tanzender Mädchen des Tanzstudios T.A.N.Z. von Sylvia Hayden bereichert das Team. Dem Weihnachtsspielplan ist es dann geschuldet, dass die weitere Produktionsarbeit erst mal ruhen muss.

2004

Der beeindruckenden Premiere von "Die Sonne im Gesicht" im Januar folgen schöne Vorstellungen für Familienpublikum im Theater Fadenschein. Das Stück danach an die Zielgruppe zu verkaufen, gestaltet sich jedoch - wie erwartet - eher schwierig. Mit engagierten Lehrern unter anderem von den Integrierten Gesamtschulen in Braunschweig gelingen jedoch sehr inspirierende Vorstellungen. Zumal zu diesem Stück auch eine sehr aufwendige Mappe mit thematischem Begleitmaterial als Unterrichtsanregung erstellt wurde und die Spieler und die Choreografin mit kreativem Nachbereitungsunterricht in die Klassen gehen. Unter dem Titel "Bacha Posh" hat die Neubearbeitung dieses Stückes unter der Regie von Christian Weiß auf dem Weitblickfestival 2013 Premiere. Es spielt weiterhin die Figurenspielerin Anke Berger, nun zusammen mit der Schauspielerin Martina Couturier und der Tänzerin Verena Wilhelm.

Erneut kommt eine Anfrage für eine Auftragsproduktion der Stadt Braunschweig. Für das Rahmenprogramm einer großen Ausstellung zum Jubiläum des Malers Peter Paul Rubens soll ein Stück erarbeitet werden. Nöck Gebhardt-Seele hat spontan eine erste Idee: Das muss komödiantisch werden, da muss gegen das Vorurteil von viel Museumsstaub und dicken nackten Frauen angearbeitet werden. Da passt Dialekt! Der Kollege Uli Schlott wird angefragt. Er war doch von dem Bayrisch im "Imbisskrieg" so angetan und hat vor Jahren schon geraten, unbedingt auf dieser Schiene weiter zu arbeiten. Also wird eine gute Flasche Wein gekauft und eine Reise nach Neu-Nantrow angetreten. An einem vergnügten Abend umgeben von Schafen und Hühnern in einer wunderbaren Landschaft an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern wird in der Stube von Doris und Uli Schlott der "Alois" geboren, Lehrbub in den Werkstätten des edlen Herrn Rubens und Grundlage für das Stück "Rubens und Ich". Aber die Arbeiten geraten dann vorübergehend ins Stocken, da die Auftraggeber aus dem Kulturamt nicht bedacht hatten, dass so eine Produktion Geld kostet, bzw. davon ausgegangen waren, dass das Theater Fadenschein sich selbst um die Finanzierung kümmert. Da Letzteres nicht mehr möglich ist, gibt es einige Schriftwechsel. Als das Projekt bereits gestorben scheint, schaltet sich der frischgebackene Kulturamtsleiter Herr Rummel ein. Unter vier Augen wird Klartext geredet. Der eine Verhandlungspartner rechnet seriös durch, was er maximal ausgeben kann, der andere, wie viel er mindestens braucht. So wird ein tragfähiger Kompromiss gefunden und die Arbeit schreitet von nun an freudig voran. Im Herbst beginnt Mirjam Hesse ein einjähriges Volontariat im Theater Fadenschein und begleitet als erstes "Rubens und Ich" als Regie-Assistentin (Premiere Sept 2004).

Das Theater Fadenschein feiert seinen 20. Geburtstag mit einem Festival im Oktober 2004. Die legendäre Braunschweiger Puppenspielwoche war gerade dem städtischen Rotstift zum Opfer gefallen. Sie war, wie vorher schon beschrieben, das erste internationale Treffen von Puppenspielern nach dem Krieg und fand seit den 50er Jahren alle 3 Jahre an verschiedenen Spielorten in Braunschweig statt. Neben der FIDENA in Bochum, die ein Jahr später startete, galt Braunschweig weltweit als bedeutender Austragungsort eines Festivals mit der vollen Bandbreite zeitgenössischen Puppentheaters. Das Theater Fadenschein greift mit seinem Geburtstagsfestival die traditionsreiche Vergangenheit auf und knüpft mit seinem ersten WEITBLICK-Festival daran an. Der 3-Jahresrhytmus kann wieder aufgenommen werden, was in der Szene weiträumig und ausgiebig begrüßt wird. Das WEITBLICK-Festival wird seither völlig ohne zusätzliche Mittel der Stadt Braunschweig ausgerichtet. Als treibende Kraft trat die Stiftung Nord/ LB-Öffentliche für das Fortbestehen ein. Weitere wesentliche Förderpartner wurden die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die Stiftung Niedersachsen und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

2005

Das Jahr beginnt mit einem kleinen Experiment. Mit Mirjam Hesse in der Hauptrolle wird das Stück "Die Reise durchs Fenster" noch einmal aufgenommen und mit einer kleinen Serie abgespielt. Nach diesem durchaus würdigen Abschluss wird das Stück endgültig aus dem Repertoire genommen (Uraufführung war 1982).

Hanne Scharnhorst und Martin Schimmöller produzieren das Stück "Der Entenkönig" nach dem gleichnamigen Buch von Kai Schmidt. Die befruchtende Begegnung mit dem Autor beflügelt die Arbeit. Über Improvisationen mit Figuren und Objekten, unter der Regie von Ruta Platais, zur live eingespielten Akkordeon-Musik von Anette Hillar (z.T. wird in deren schönem Garten geprobt) entstehen wunderbar skurrile Ideen. Es wird mal wieder ein Stück für den open-air-Bedarf, folglich findet die Premiere (bei wunderbarem Wetter!) im Botanischen Garten statt. Die Protagonisten der Geschichte wie die possierliche Entenfamilie, der weise Graureiher, der alte, Blues singende Hund "Böser Bär" und der verschlagene Kater Carlo konnten kein passenderes Ambiente finden.

Nöck Gebhardt-Seele bereitet parallel die Produktion eines Stückes für Kinder ab 3 Jahren vor: "Jakobs Zauberhut". Inspiriert ist die Geschichte von dem herrlich fantasievoll dahin fabulierten Vorleseband "Joram und der Zauberhut" des israelischen Autors David Grossman. Es ist die erste, doch wegen hohem Spaß- und Erfolgsfaktor bei weitem nicht die letzte Zusammenarbeit mit dem Kollegen Peter Kirsch aus Heidelberg. Das Violoncello soll endlich mal wieder mit auf die Bühne. Die Annahme, dass ein so großes Instrument bei einem Solostück allzu hinderlich sei, hat das lange Zeit verhindert. Doch nun werden wunderbare Lösungen gefunden und es entsteht wieder ein sehr musikalisches Spiel - unterstützt von Elmar Vibrans, der in bewährter Manier und mit viel Einfühlungsvermögen Soundtracks am Computer herstellt.

Wie berichtet, bringt der ökonomische Druck das kleine Team zunehmend in Bedrängnis und so steht im Sommer diesen Jahres wieder eine Änderung ins Haus. Angelika Rolle arbeitet seit 1991 im Büro des Theaters. Sie hat sich über die Jahre durch viel Erfahrung und eine gezielte Fortbildung zur Kulturmanagerin profiliert. Sie führt mit großer Loyalität und Zuverlässigkeit die Geschäfte des Theaters. Vor allem die jüngste politische Entwicklung in Braunschweig führt jedoch dazu, dass sie immens viel Zeit für Kulturpolitik aufwendet. Sie ist ein angesehenes Mitglied in Verbänden und Arbeitsgruppen, sie hat das Theater Fadenschein z.B. bei der Gründung des Landesverbandes vertreten und in dem umstrittenen Projekt "Kulturentwicklungsplan" sehr viel Zeit und Energie investiert. Die Alltagsarbeit im Theater Fadenschein leidet darunter und kommt zu kurz. Die Entwicklung spitzt sich zu. Schließlich kommen die drei Gesellschafter zu dem Schluss, dass sich das Theater eine angestellte Geschäftsführerin nicht mehr leisten kann und der Aufwand für die Kulturpolitik - bei aller Wichtigkeit - ohne Erhöhung der Fördermittel nicht gestemmt werden kann. Eine zusätzliche Büroangestellte müsste beschäftigt werden, das ist jedoch mit dem verfügbaren Etat nicht realisierbar. Die Geschäftsführung und Vertretung des Theaters nach außen muss wieder von den Gesellschaftern selbst geleistet werden. Angelika Rolle entscheidet sich für eine passendere Stelle und das Theater muss Ersatz finden. Über Zeitungsanzeigen und die Vermittlung der Arbeitsagentur wird eine Art Betriebssekretärin gesucht. Nach zahlreichen Vorstellungsgesprächen fällt im Juni die Wahl schließlich auf Claudia Schumacher, studierte Kunstwissenschaftlerin mit kaufmännischen Erfahrungen und einer kleinen Tochter. Diese Konstruktion bewährt sich in den nächsten Jahren ausgezeichnet. Den drei Gesellschaftern tut es gut, die Geschicke und die Vertretung ihrer kleinen, doch über die Jahre sehr veränderten Firma wieder selbst in die Hand zu nehmen. Auch bei den wichtigen Förderpartnern wird die Umorganisation sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aber es liegt ja auf der Hand: Mehr Zeit für die Geschäftsführung bedeutet weniger Zeit für die Kunst. Und wenn die neue Aufgabenverteilung auch einen erfrischend neuen Wind ins Team bringt, so erhöht doch die weiterhin angespannte Haushaltslage den Druck und den Stresspegel. Auch die begleitete Teamentwicklung kann nicht alles richten und so wird es weitere Konsequenzen geben. Wir werden sehen…

2006

In Vorbereitung geht ein neues Stück für das Abendprogramm. Nöck Gebhardt-Seele bleibt bei bayrischem Humor und knöpft sich - wieder zusammen mit Uli Schlott - den Münchner Komiker Karl Valentin vor. Dieses Jahr ist aber überwiegend von anderen Dingen geprägt. Ein wesentlicher Aspekt ist die Fortsetzung des Festivals WEITBLICK. Nachdem in einem komplizierten Prozess die Weiterführung gesichert werden konnte, übernimmt Hanne Scharnhorst die künstlerische Leitung. Schließlich ist der Weg frei für weitere "Weitblicke" - eine sehr gute Entscheidung, wie die nächsten Jahre zeigen werden. Hanne Scharnhorst stürzt sich also mit Elan in die Recherche und besucht die wichtigsten Festivals in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Neben einem hervorragenden Festivalprogramm im nächsten Jahr ergibt sich bei diesen Reisen eine bahnbrechende Entdeckung: Das Theater für die Allerkleinsten. Die Begegnung mit der internationalen Organisation "Small Size" und mit Pionieren des Genres, wie z.B. den Kollegen vom Helios-Theater in Hamm bringen schnell die Erkenntnis, dass es sich hierbei um ein ausgesprochen interessantes Feld handelt und dass Deutschland im Vergleich zu unseren Nachbarn weit hinterher hinkt. Die Entwicklung wird unterstützt durch Forschungsergebnisse von Gehirnforschern, Entwicklungspsychologen, Pädagogen etc., allem voran wird jedoch ein künstlerisch äußerst attraktives neues Betätigungsfeld entdeckt. Ausdrucksformen sind möglich, die sich jenseits all dessen bewegen, was im herkömmlichen Kindertheater üblich ist, der Bogen zur experimentellen Performance für Erwachsene ist schnell geschlossen.

Der Kontakt zum Theater Anke Berger wird vertieft. Ihre erste eigene Produktion "Das Eselein" wird im Juni uraufgeführt.

Tournee-Spiele gehören immer noch zum Alltagsgeschäft im Theater Fadenschein, doch findet Anfang diesen Jahres mal wieder eine sehr ausgedehnte Tournee (3 Wochen) mit dem Stück "Die Kleine Zauberflöte" in Süddeutschland statt. Und im Sommer dann nochmal zehn Tage im Großraum München. Da mehr und mehr im eigenen Haus gespielt werden kann und überdies die Ressourcen für Tourneeorganisation fehlen, ist das schon etwas Besonderes.

Und es gibt im Jahr 2006 gleich zwei Auszeichnungen: Hanne Scharnhorst wird mit ihrem Solo "Ferdinand - Ein starker Stier" zum Festival in das bosnische Banja Luka eingeladen. Ihre "Caramella" wird mit dem Preis für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet. Die internationale Jury lobt insbesondere den virtuosen Wechsel der Rollen und Ebenen, die humoreske Darstellung und die herausragende künstlerische Umsetzung des Kinderbuches. Die Reise hat dankenswerterweise die Stadt Braunschweig bezuschusst.
"Die Kleine Zauberflöte" wird von der Niedersächsischen Lottostiftung eingeladen zum Preisfestival in Lingen als eines der sechs besten freien Kinder- und Jugendtheaterstücke in Niedersachsen.

2007

Der Jahresbeginn ist geprägt vom Endspurt an der Produktion "Valentin - Wie der Fisch vom Stangerl fällt" Keine leichte Aufgabe dieser verschrobene Münchner Komiker! Uli Schlott gesteht nach einer sehr gelungenen Premiere, dass er schwere Bedenken hatte, ob das gut gehen kann. Mit einem kleinen raffinierten Kunstgriff wird die Gefahr des leidigen Nachahmens ausgebremst und zu aller Freude stellt sich schnell heraus, dass es sogar im "spökigen" Norden Liebhaber von Karl Valentin gibt und auch die jüngeren Jahrgänge finden ihre Freude an dem heiter bayrischen und philosophischen Spaß. Ein Highlight für dieses Stück wird später das restlos ausverkaufte Gastspiel in der Münchner Spieldose sein.

Im März zwei Wochen auf Tournee mit Jakob und der Zauberflöte.
Nöck Gebhardt-Seele gibt einen Puppenbaukurs mit anschließender Aufführung in einem Kindergarten in Salzgitter.
Hanne Scharnhorst leitet einen Puppenspiel-Workshop in der Grundschule Salzgitter-Ziersberg, in einer Inklusionsklasse.

Schwerpunktmäßig ist die Vorbereitung des 2. Weitblick-Festivals dran, das im Herbst mit großem Erfolg über mehrere Bühnen geht. Das Festivalzentrum soll und muss natürlich das Theater Fadenschein sein. Erstmalig wird das ganze Haus bespielt: Bühnen werden im Werkstattkeller, in den Büroräumen und auf dem Dachboden aufgebaut. Im Keller ging "Harald" ab. Auf dem Dachboden nimmt die Französin Delphine Bardot Schönheitsoperationen an Barbypuppen vor. Doch werden für manche Inszenierungen einfach größere Räume benötigt. Die Kooperationen z.B. mit dem Staatstheater und dem LOT-Theater erweisen sich als erfreulich kollegial und bereichern das Programm. Wieder konnten, Dank der Stadt Braunschweig die signifikanten roten Männchen aufgestellt werden. Gerd Scharnhorst wird für dieses und alle weiteren Weitblick-Festivals die Gestaltung der Print-Medien, Litfasssäulen, Straßenbahn usw. mit seiner künstlerischen Verve übernehmen. Im Oktober besuchen Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele das Festival "Theater von Anfang an" in Dresden. In einem gemeinsamen Projekt haben sich mehrere deutsche Theater dem Thema "Theater für Kinder unter 3 Jahren" gewidmet. Die Ergebnisse sind sehr vielfältig und äußerst anregend. Die Idee, in diesem Gebiet selbst aktiv zu werden, nimmt Gestalt an.

Im Sommer des Jahres findet sich die künstlerische Hausgemeinschaft im Hause Bültenweg 95 mal wieder zu einem Tag der offenen Tür zusammen. Offene Ateliers, Gespräche und offene Proben ergeben einen sehr geselligen Nachmittag mit interessiertem Publikum.

Für eine Übergangszeit gibt es Dank Fördermaßnahme der Arbeitsagentur endlich mal wieder einen Haustechniker: Nils Zimmermann, gelernter Tischler, Hobbymusiker und Toningenieur begleitet das Theater im Winterhalbjahr. 2008 "Zausel" hatte in seiner ersten Fassung im November 1997 seine Uraufführung. Nach einigen Jahren Pause reift die Idee, die alten Kunstwerke im Maleratelier wieder zu beleben und mit einem theaterpädagogischen Begleitprogramm für Schulklassen zu erweitern. In einer Umfrage bei befreundeten Lehrer/innen stieß der Projektentwurf auf sehr positive Resonanz. So wird eine Grundsanierung in Angriff genommen. Peter Kirsch kann für die Regie gewonnen werden. Der Titel ändert sich: "Zausel - Eine abenteuerliche Reise durch die Kunst".

2008

Ein Grundschulprojekt mit einem anschaulichen Materialienheft zur Vor- und Nachbereitung und einem theaterpädagogischen Angebot für Kinder und Lehrer/innen wird entwickelt. Dank Förderung von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Stiftung Niedersachsen kann das Projekt den Schulen zu einem sensationell günstigen Preis angeboten werden und wird vor den Sommerferien ein voller Erfolg.

Das Theater Anke Berger bringt im Dezember das zweite Solostück auf die Fadenschein-Bühne: "Sterntaler". Das Stück ist die Diplominszenierung für den NDK Figurenspiel in Zürich. Regie führte wieder Margrit Gysin.

Murat Günak war Chefdesigner bei VW, hat aber auch ein berührendes Buch für seine eigenen und viele weitere Kinder geschrieben: "Taramor". Das Büchlein führt zu einer wunderbaren Begegnung mit dem Autor und zu einer ganz besonderen Inszenierung in der Regie von Therese Thomaschke. Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt- Seele sind sich schnell einig, dass sie die beste Wahl für diesen Märchenstoff wäre. Als Gastspielerin mit sehr eindrucksvollen Märcheninszenierungen war sie bereits im Fadenschein zu Gast. Termine sind schwer zu bekommen und es ist ein überaus großes Glück, dass diese Arbeit möglich wird (bevor Therese Thomaschke als Theaterleiterin nach Bautzen geht). Mit großem Geschick gelingt es ihr zusammen mit dem Team in intensiven, kreativen Probenblöcken den Stoff in eine bühnentaugliche Fassung zu bringen, auch Murat Günak ist begeistert. Anke Diedrichs entwirft märchenhafte "Leuchter- Bäume" und liefert auch die Puppen, die auf und in diesem wandlungsfähigen Bühnenbild einen weihnachtlichen Fantasy-Krimi erzählen. Der Weihnachtsmann ist ja in Wahrheit eine schnöde Werbeerfindung von Coca Cola. Und doch ist er für die Kinder in Deutschland eine wichtige Begegnung zur Weihnachtszeit. Murat Günak, gebürtiger Türke, verfolgte mit seiner Geschichte die Idee, den weihnachtlichen Gedanken von Liebe, Freundschaft und Dankbarkeit wieder vor den allgemeinen Kommerz- und Konsumrummel zu platzieren. Das gelingt erfrischend multikulturell und ohne erhobenen Zeigefinger. Die Inszenierung "Taramor - Wenn der Weihnachtsmann nicht kommen kann" entwickelt sich schnell zum Weihnachtsklassiker im Theater Fadenschein für die letzten Tage vor Weihnachten. Mit großer meditativer Ruhe erreicht er die Kinder in Kindergarten und Grundschule ebenso, wie die Erwachsenen. Die Confiserie Weibler aus Cremlingen spendiert dazu Jahr für Jahr ein großes Paket köstlicher Schoko-Lollis, die dann vom Weihnachtsmann an die Kinder verteilt werden.

2009

Seit geraumer Zeit liest man in der Braunschweiger Presse häufig Nachrichten über den glücklichen Zustand des städtischen Haushaltes. Die Sparmaßnahmen seien erfolgreich gewesen, erstaunliche Investitionen können wieder getätigt werden. Schön! An die Rücknahme der Haushaltskürzungen bei den freien Trägern mag allerdings weder in Politik noch in Verwaltung jemand denken. Wie die anderen freien Träger kämpft auch das Theater Fadenschein tapfer mit dem schmalen Budget. Nun liegen allmählich die Nerven blank und auf das Theater kommen harte Zeiten zu. Dazu kommen Unstimmigkeiten im Team. Die Krise spitzt sich im Mai 2009 soweit zu, dass das Theater kurz vor der Auflösung steht. Das Ende vom ehemaligen Dreigespann ist das Ausscheiden von Martin Schimmöller. Da waren's nur noch zwei ... Trotz dieser äußerst nervenaufreibenden Turbulenzen gelingt im Sommer eine zweite Staffel mit dem "Zausel"-Projekt. Dank Förderung gibt es auch diesmal wieder günstige Bedingungen für die Schulen. Wieder ist der Andrang enorm. Im Kulturforum, dem Zusammenschluss freier Kulturträger in Braunschweig wird eine Idee geboren und das Projekt erweitert sich um eine Kooperation mit der Jugendkunstschule Buntich und dem Bund Bildender Künstler (BBK) in Braunschweig. Buntich bietet Malkurse nach dem Theaterbesuch an und der Weg vom Theater Fadenschein zum BBK-Torhaus entlang des Botanischen Gartens wird mit den zu Postern vergrößerten und auf Kunststoffplatten gedruckten Kinderzeichnungen geschmückt. Im BBK findet zum Abschluss eine wunderbare Ausstellung mit Preisverleihung statt. Nöck Gebhardt-Seele hat einen Kurs im Rahmen von FiBS (Ferien in Braunschweig) angeboten: Hier wurden kleine Zausel-Papiertheater gebaut und herrliche Geschichtchen entstanden. Ein schönes rundes Ereignis!
Das Sommerhalbjahr ist überdies wieder geprägt von Festival-Recherchen. Hanne Scharnhorst bereist die großen Festivals, um internationale Highlights zu sichten und einzuladen. Auch der Gedanke "Theater für die Allerkleinsten" nimmt Gestalt an. Mit Hilfe eines städtischen Kooperationsvertrages wird das Konzept "LiliPut" entwickelt und der Start einer eigenen Programmschiene vorbereitet. Dazu gibt es ausgewählte Gastspiele von Kollegen im Theater Fadenschein. Hanne Scharnhorst entwickelt zusammen mit Bärbel Rabold ein neues Konzept der Theatersaalgestaltung, der Altersgruppe entsprechend: Flokatiteppiche werden gekauft und ausgelegt, Sitzwürfel angefertigt und der Raum mit farbigen Abhängern verkleidet. Das Theater Fadenschein ist somit in Braunschweig Vorreiter in dem Bereich Theater für Kinder unter 2 Jahren!

Die vorgesehene Produktion eines neuen Weihnachtsstückes wäre aufgrund der neuen Gruppenkonstellation fast gescheitert. Hanne Scharnhorst entscheidet - trotz der knappen Zeit - eine Produktion zu wagen und die Rettung kommt aus Berlin: Vom Theater auf der Zitadelle (viel und gerne eingeladene Gäste im Theater Fadenschein) kann eine komplette Ausstattung mit Spielkonzept übernommen werden. Peter Kirsch kann auch hier wieder seine herausragende Begabung beim Überarbeiten unter Beweis stellen und es wird pünktlich für die Weihnachtsspielzeit ein neues Stück fertig: "Die Wichtelmänner" - frei nach Grimm. Mit dabei an der Technik erstmalig KM Twinn. Twinn wurde von den Freunden im Bund Bildender Künstler als Multitalent an das Theater Fadenschein weiter vermittelt. Auf der Bühne hat er zwar noch nie gestanden, hat aber großes Vergnügen beim Entdecken des neuen Feldes und bewährt sich neben seiner Aufgabe als Techniker als Mitspieler im Hintergrund, der zum Schluss dann sogar als fleißiger Schuster ins Bild kommt - das Kinderpublikum hätte auch nichts anderes geduldet. Hanne Scharnhorst als Schustersfrau wird immer wieder angebettelt: "Zeig uns doch endlich mal deinen Mann!"
Auch das Theater Anke Berger feiert im Dezember wieder eine Premiere im Theater Fadenschein: "Schneewittchen". Das bekannte Märchen, aufgezeichnet von den Gebrüdern Grimm, wird unter der Regie von Martina Couturier als Mischung von Figuren und Materialtheater erzählt.

2010

Der scheidende Kulturausschussvorsitzende Wolfgang Sehrt hat sein Versprechen eingelöst und sich dafür eingesetzt, dass die Haushaltskürzungen aus dem Jahre 2002 zurück genommen werden und überdies kann Dank seiner Vermittlung mit der ARGE Braunschweig eine Förderung vereinbart werden: KM Twinn wird im Januar als Haustechniker fest angestellt - endlich, endlich ist da wieder jemand! Und die Haushaltsplanung funktioniert nun auch besser. Die Erleichterung ist groß.

Der Gedanke, im Bereich Akquise frischen Wind ins Haus zu bekommen geistert schon länger durch die Planungen. Im Sommer wird ein Versuchsballon mit Anne Vaupel gestartet. Sie ist frisch studierte Kulturpädagogin und sucht ein Betätigungsfeld. Die Idee dabei ist, dass sie ihr Geld quasi selbst besorgt. Zur Teilung des Risikos wird ein Grundhonorar vereinbart, damit sollen drei Projekte angeschoben werden. Das Ergebnis ist aus unterschiedlichen Gründen leider recht ernüchternd. Letztendlich stehen erforderliche Arbeitsintensität und Honorarhöhe nicht im Verhältnis und so trennen sich diese Wege leider wieder.

Hanne Scharnhorst bereitet - zusammen mit Claudia Schumacher in der Organisation - das mittlerweile 3. Weitblick-Festival vor. Zusätzlich zu dem normalen Theateralltag ist dies wie jedes Mal ein enormer Kraftakt, der ob des fulminanten Erfolges im Nachhinein alle mit großem Stolz erfüllt. 18 Stücke aus 7 Ländern werden präsentiert. Highlights sind unter anderen die Inszenierung der Nürnberger Kollegen "Thalias Kompagnons" von Mozarts "Zauberflöte" mit einem Countertenor, der sämtliche Stimmen singt und einer äußerst raffinierten Spielweise von Puppen und Projektion, sowie der brasilianische Tänzer und Puppenspieler Duda Paiva, der weltweiten Ruhm genießt. Im Rahmen von LILIPUT werden 6 ganz unterschiedliche Stücke für die Allerkleinsten aufgeführt. Im Anschluss findet ein Fachgespräch und eine Diskussion mit den Theaterleuten und pädagogischen Fachkräften statt. Hierbei erweist sich die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit Beate Hamilton-Kohn, der heutigen Leiterin des "Dialog-Werkes Braunschweig" als sehr bereichernd.

Nöck Gebhardt-Seele arbeitet das Jahr über an der ersten eigenen Produktion für Kleinkinder: "TÜR AUF TÜR ZU" unter der Regie von Edelgard Hansen. Die Kooperation mit zwei Braunschweiger Kindertagesstätten erweist sich als sehr konstruktiv. Der Ansatz ist rundum künstlerisch, nicht so sehr pädagogisch oder erzieherisch, doch muss ja zunächst ein Bezug zu diesem neuen Publikum, ein Gefühl für den Kontakt hergestellt werden. Die Erfahrungen mit den eigenen Kindern sind doch schon sehr lange her. Einfach mal dabei sitzen und aus der Distanz heraus zusehen, was die Kinder beschäftigt, wie sie auf verschiedene Reize reagieren, was sie interessiert. In einem gemeinsamen assoziativen Prozess des Spielers mit der Regisseurin entsteht dann Stück für Stück ein Stück bildhaftes Theater praktisch ohne Text. Arbeitsergebnisse werden immer wieder getestet, anfangs bei Besuchen in den beiden Einrichtungen, später kommen die Kinder dann auch ins Theater. Die behutsame Vorbereitung des LiliPut-Systems mit überlegter Pressearbeit und Informationen auf verschiedenen Ebenen bewährt sich ganz offensichtlich. Das Angebot findet rasant Zuspruch, auch bei den nun vermehrt eingeladenen Gastspielen. Doch besonders dieses erste eigene Stück gewinnt immer wieder neue Freunde und alte Freunde, die gerne immer wieder kommen, so findet man es bis dato immer wieder im Spielplan.

Der Spielplan wird in diesem Jahr erstmalig über die Weihnachtstage ausgedehnt, Anke Berger ist bereit, auf Familienzeit zu verzichten. Das Publikum dankt es ihr mit zahlreichem Erscheinen!

2011

Bärbel Rabold hat schon seit einigen Jahren ihr Nähstudio im Hause Fadenschein. Kostüme und diverse Näharbeiten an Figuren und Bühnen werden von ihr hochprofessionell ausgeführt. Für einige Jahre bis einschließlich Dezember 2010 hatte sie als freie Mitarbeiterin auch den Bereich "Ticketing" übernommen, den Vorverkauf und den Vorstellungsservice verwaltet, AugenSchmaus-Abende organisiert und betreut, sowie beratende Funktion in den unterschiedlichsten Bereichen. Ursel Seelig, jung gebliebene Rentnerin steigt nun im Januar mit großem Lustpotential in diesen Bereich mit ein und ist bis heute mit zahlreichen Kassendiensten dabei. Zum Servicestamm gehört auch seit Jahren und bis heute Andrea Zimmermann. Ab Frühjahr 2012 dann auch sehr stabil Marion Wilde.

Das Jahr 2011 ist geprägt von einem Wiederaufnahme-Paket: Unter dem Titel "Friedlich gemeinsam" werden drei Stücke aus dem früheren Repertoire überholt und neu inszeniert, alle nun gespielt von Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele. Als erstes wird "Peppino Peperoni" fertig. Inszeniert hat - wie auch ehedem - Manfred Roth. Es folgt "Der Imbisskrieg" in der Regie von Peter Kirsch. Den Abschluss macht im Weihnachtsprogramm "Es klopft bei Wanja in der Nacht" wieder mit Manfred Roth. Drei wunderbare Stücke mit sehr unterschiedlicher Zielrichtung und doch einem sehr verwandten Grundgedanken. Hervorgehoben sei an dieser Stelle die Jahrespraktikantin Ronja Willrodt, die sich mit großer Begabung in das Schnitzen von Schaumstoff eingearbeitet hat. Mit stilvoller Kunstfertigkeit und köstlichen Details sind in ihrer Hand wunderbare Figuren für "Peppino" und den "Imbisskrieg" entstanden.

Der Offenbacher Kollege Norbert Wöller stellt seine Tätigkeit als Figurenspieler ein und fragt an, ob vier seiner Produktionen im Theater Fadenschein Verwendung finden können. Ein Joint Venture wird beschlossen. Da trifft es sich gut, dass ein neuer Kollege Thomas Hirche im Rampenlicht erscheint (mehr dazu im nächsten Jahr). Nach Schlosserei und Sozialpädagogik möchte er sich endlich ganz seiner Liebe zum Theater widmen. Mit Walk-Acts und Papiertheater sammelt er erste Erfahrungen und gründet - rundum wagemutig - Braunschweigs kleinstes Theater "Das Kult". Vorerst ist bei ihm ein Abendstück in Planung ("Izy und sein Schatz"), Hanne Scharnhorst soll die Regie übernehmen. Über Improvisationen werden Szenen erarbeitet. Doch verschiedene Widrigkeiten, auch gesundheitlicher Art, verhindern die für Herbst geplante Premiere.

Und dann schwebt da noch eine große Idee im Raum: Schon länger geistert der Wunsch durch die Künstlerköpfe, das "AugenSchmaus"- Prinzip auf die Spitze zu treiben und ein Abendstück zu entwickeln, wo Kochen und Essen zur Inszenierung gehören und auch der Raum, besser noch das ganze Theaterhaus mit seiner Vielfalt von Möglichkeiten zum Einsatz kommt. "1001 Nacht - Erzählen um zu Überleben" lautet der Arbeitstitel. Dabei soll es nicht um die seichten Geschichten von Ali Baba und Co. gehen, sondern aus dem reichhaltigen Fundus des orientalischen Originals geschöpft werden. Die spezielle verschachtelte Dramaturgie interessiert und die Rolle der Frau. Die politische Situation des arabischen Frühling ist ebenso Hintergrund wie orientalische Erotik und der köstliche Duft von Gewürzen. Mit Regina Wagner vom Theater auf der Zitadelle ist eine kompetente Leiterin mit im Boot, die ein sehr brauchbares Grundkonzept zur Besprechung mitbringt. Brainstorming mit allen Beteiligten: Anke Diedrichs übernimmt die Szenen, die oben im Dachgeschoss gespielt werden sollen, Thomas Hirche den Keller. Das Publikum wird wandern. Das Duo Troubadoura soll mit Saxofonmusik begleiten, Karla Mehrtens als rätselhafte Erzählerin eingebaut werden. Der Saal gibt das Ambiente für eine orientalische Hochzeitsfeier, mit der die alt gewordene Schahrazade und ihr (inzwischen!) geliebter Sultan ihre Erfolgsgeschichte feiern. - Viele schöne Ideen! Leider werden die wichtigsten Förderanträge abschlägig beschieden. Das Projekt ist nicht finanzierbar. Aus!

Ein besonderes Highlight ist im Herbst die Auszeichnung von "TÜR AUF TÜR ZU" mit dem "Best-Off-Preis" der Stiftung Niedersachsen. Mit 5 weiteren Produktionen aus dem Bereich des Freien Theaters in Niedersachsen wird das Stück zum Best-Off-Festival nach Hannover eingeladen und mit 10.000 Euro prämiert. Aus der Begründung der Jury: "Tür auf Tür zu ist Theater für die Allerkleinsten im allerschönsten Sinne. Die Produktion besticht durch einfache und entschiedene Situationen, der auch kleinste Zuschauer gut folgen können. (…)Michael Nöck Gebhardt-Seele versteht es, den philosophischen Boden, auf dem Situationen und Geschichten gebaut sind, leichtfüßig und mit einer großen Verwunderung zu betreten. So kommt die Figur den staunenden Mini-Zuschauern ganz nah. Im besten Sinne ist in der Inszenierung von Edelgard Hansen die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum weich gehalten. Durch eine kuschelige Zuschauerlandschaft fühlen sich die Kleinsten dort so wohl, dass sie die Bühne dem Theatermann und seinem Spiel überlassen. Am Ende der vierzig Minuten verlassen alle Zuschauer das Universum eines liebenswerten, entdeckungsfreudigen Menschen, das untrennbar auch das Universum des Theaters hat aufleuchten lassen." (Christiane Richers)

Die Förderung für die Stelle des Haustechnikers läuft zum Jahresende aus, die erhoffte Erhöhung des Etats durch die Stadt Braunschweig konnte wieder nicht erreicht werden, so muss auch der Arbeitsvertrag mit KM Twinn wieder gekündigt werden. Bitter!

2012

Frank Baron (Sozialpädagoge im Ruhestand) steigt auf Stundenbasis als Hausmeister ein und kämpft tapfer mit der Bühnentechnik.
Claudia Morawe ist anfangs beim Vorstellungsservice dabei, übernimmt später die Buchführung und arbeitet sich in die Finanzmittelakquise ein.

Hanne Scharnhorst springt in die Lücke, die durch die Absage von 1001-Nacht entstanden ist und entscheidet sich dafür, "Die Fiedelgrille" zu inszenieren. Eine Produktion aus dem vorher beschriebenen Fundus des Kollegen Norbert Wöller. Hanne Scharnhorst widmet sich als Spielerin dieser Inszenierung und modernisiert gemeinsam mit Peter Kirsch und Bärbel Rabold sehr erfolgreich das Konzept. Wie bei vielen anderen Produktionen ist auch wieder die Sprechtrainerin Karla Mehrtens mit dabei und sorgt durch ihre kompetente Mitarbeit für gute Stimmlagen und glaubwürdige Töne.

Mit Thomas Hirche wird eine Kooperation vereinbart, an der beide Seiten bis heute viel Freude haben: Als freier Mitarbeiter spielt er für das Theater Fadenschein das Kinderstück "Drei Freunde". Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele begleiten die Produktion, stellen Ausstattung und Spielkonzept - wieder aus dem Fundus des Kollegen Norbert Wöller - zur Verfügung, vermitteln Karla Mehrtens als Rollen- und Sprechtrainerin und Peter Kirsch für die Regie. Peter Kirsch, der allmählich schon fast zum Hausregisseur avanciert, macht auch bei dieser Überarbeitung bzw. Neuinszenierung, genau wie bei der Fiedelgrille einen hervorragenden Job. Mit großer Behutsamkeit und einem guten Blick für vorhandene Qualitäten gelingt ihm auch hier eine Inszenierung, die den Spielplan des Hauses bereichert und zahlreiche Kindergartengruppen in Braunschweig und auch auf Tournee erfreut.

Das Jahr 2012 ist dem Andenken der Brüder Grimm gewidmet. Unter dem Titel "Grimmwelten" schließen sich 9 freie Braunschweiger Theatergruppen zusammen und gestalten ein gemeinsames Programm für die Spielstätten Theater Fadenschein, LOT-Theater und Kunstmühle. Gemeinsame konzeptionelle Ideen werden entwickelt und Aktionen geplant und durchgeführt. Das Ergebnis zeigt eine bunte, kreative und facettenreiche Braunschweiger Theaterszene, die sich in gemeinsamen Flyern, Programmen und Plakaten wiederspiegelt.

Auch die politische Situation in Braunschweig gibt Anlass zu Hoffnung und die Geschäftsführer begeben sich zusammen mit Claudia Morawe noch einmal in Verhandlungen mit allen Braunschweiger Politischen Parteien. Die Gespräche zeigen auch dieses Mal die große Akzeptanz, die das Theater quer durch alle Gruppierungen genießt. Die Verhandlungspartner sind durchweg interessiert und offen, halten sich jedoch bedeckt was die konkrete Zuschusshöhe betrifft. Die entscheidende Mehrheit sorgt zu guter Letzt aber dafür, dass der Antrag auf Erhöhung bewilligt wird. Aufatmen ist angesagt. Ein Großteil des zusätzlichen Budgets dient dem Erweitern des Veranstaltungsprogrammes. Umfang und künstlerische Qualität können gesteigert werden, was sich in den stetig wachsenden Zuschauerzahlen und der positiven Resonanz in der Presse wiederspiegelt.
Die Verhandlungen bekommen zwischendrin neue Brisanz: Die langjährige Mitarbeiterin Claudia Schumacher kündigt wegen schlechter Bezahlung. Mit einer vollen Stelle hat sie seit Sommer 2005 stets zuverlässig und loyal das Büro geleitet. Man nimmt es ihr nicht übel, schließlich muss sie als junge Frau und alleinerziehende Mutter die Zukunft ihrer Tochter im Blick haben. Viel Zeit für eine ausführliche Bewerbungsrunde ist nicht da, doch diesmal hilft die Mundpropaganda. Erleichternd ist auch die Tatsache, dass in den letzten Jahren ein eng umrissenes Profil für diese Stelle erarbeitet wurde und somit klarer ist, wonach gesucht werden muss. Schnell heben sich zwei Frauen ab, die allerdings beide einen gravierenden Nachteil haben: Sie können aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht vollzeitig arbeiten. Das Ergebnis ist, dass beide eingestellt werden und die Stelle geteilt wird. Annemarie Bastian und Stephanie Sahl, zwei sehr unterschiedliche Frauen mit hervorstechenden Qualitäten. Annemarie Bastian wird vorrangig mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut, Stephanie Sahl übernimmt vor allem die allgemeine Organisation. Der Vorteil dieser Konstruktion zeigt sich schnell: Beide können hervorragend zusammen arbeiten und sich auch mal gegenseitig vertreten. Das postwendend einsetzende - wie immer - intensive Weihnachtsgeschäft, stellt die beiden Neulinge auf eine harte Belastungsprobe, die sie bravourös bestehen.

2013

Die mittlerweile traditionelle Teamfeier zum Jahresbeginn findet diesmal im Januar im Saal des Theaters statt. Die "Chefs" kochen selbst für ihre Mitarbeiter. In großer festlicher Runde wird fröhlich bis spät in die Nacht getafelt und der gemeinsam erreichte Erfolg gefeiert. Mit allen Helfern und geringfügig Beschäftigten kommt doch eine stattliche Zahl von Mitarbeitern zusammen. Mit dabei diesmal unter anderem auch Günter Wolters. Es wird höchste Zeit, dass auch diesem treuen Wegbegleiter ein paar Worte gewidmet werden. Streng genommen ist er nicht "Mitarbeiter" im Theater Fadenschein. Doch man kennt sich bereits ewig (schon aus der gemeinsamen Wohngemeinschaft aus Studententagen) und seit Bezug des Hauses Bültenweg 95 hat auch er hier sein Büro als freier Grafiker. Er zeichnet seit Jahr und Tag verantwortlich für das Layout des Papierprogramms und so mancher anderer grafischer Gestaltung. Viele Plakate und Infoheftchen zeigen seine Handschrift, so auch die beiden Jubiläums-Broschüren.

Zu Ostern hat noch ein Stück aus dem Fundus des Norbert Wöller Premiere: Thomas Hirche spielt "Als Adam Engelbrecht so richtig wütend wurde", das 3. Stück der Reihe: "Kinderbuchklassiker mit Hozfiguren und Tischbühne". Die ausdrucksstarken Holzfiguren (allesamt von Arne Bustorf ) und die liebevoll detailreich, gleichzeitig schlicht gestalteten Bühnenbilder entfalten eine große Anziehungskraft und geben viel Raum für belebendes Spiel und Ausdruck. Unter der Regie von Peter Kirsch und dem Stimmtraining von Karla Mehrtens werden die Figuren aus dem Buch von Astrid Lindgren lebendig.

Im Frühjahr wechselt Claudia Morawe zum Filmfest und eine neue Mitarbeiterin auf Stundenbasis, Ines Rabe übernimmt die Buchführung und gelegentlich auch den Vorstellungsservice oder Kassendienste.

Und dann wird ein lang gehegtes Projekt endlich Wirklichkeit: "Don Quijote" in Kooperation mit dem Orchester BraunschweigBAROCK. Bereits 2011 fragte Henning Bundies beim Theater Fadenschein nach, ob Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Er ist Cellist und Leiter des Ensembles, das sich zum großen Teil aus Musikern des Braunschweiger Orchesters am Staatstheater zusammensetzt. Sie haben sich der Barockmusik verschrieben und musizieren teils auf originalen Instrumenten. Die Idee war, die Don-Quichotte-Suite von Telemann als Kinderstück gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Im ersten Anlauf musste das Projekt abgesagt werden, da keine Finanzierung zustande kam. Beim zweiten Anlauf im nächsten Jahr klappt es zwar nicht in voller Höhe (statt 12 Musikern sind es dann nur noch acht und statt zwei Puppenspielern nur noch einer), doch endlich reicht es für die Realisierung. Dann sagen hintereinander zwei Regisseure ab mit denen bereits Vereinbarungen getroffen waren, die Zeit wird eng und das Projekt droht wiederum zu platzen. Mit Mirjam Hesse in der Leitung nimmt das Schiff dann endlich Fahrt auf. Ein Abenteuer ist's für alle Beteiligten. Für Mirjam Hesse ist es die erste Regiearbeit und Puppenspieler und Musiker haben doch recht unterschiedliche Arbeitsstrukturen. Die Musiker sollen ja nicht nur musizierend daneben sitzen, sondern szenisch aktiv werden. Ein knapper Etat bedeutet jedoch auch knappe Probenzeit und so ist das Ganze nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine logistische Herausforderung für die angehende Regisseurin. Das wunderbare Ergebnis macht aber schließlich alle Not und alle Zweifel gegenstandslos. Und wieder einmal kann unter anderem klar bewiesen werden, dass Barockmusik sehr gut für Kinderpublikum geeignet ist.

Im Oktober findet nun schon das 4. WEITBLICK-Festival statt. Hanne Scharnhorst hat wieder aus dem vielfältigen, weltweiten Angebot ausgewählt und das internationale Flair nach Braunschweig geholt. Diesmal sind es 30 Vorstellungen aus 10 Nationen! Stephanie Sahl übertrifft sich selbst als Organisationstalent und Annemarie Bastian gelingt eine fundamentale Pressearbeit. Mit einer Auslastung von 93 % werden sämtliche Rekorde gebrochen. Das schönste ist aber der ganz persönliche Dank. Einerseits von den Kollegen aus aller Welt, die sich in Braunschweig vom Fadenschein-Team bestens versorgt und vom Publikum gefeiert fühlen und der Dank zahlreicher Besucher, die ihrem Glück mit einem persönlichen Handschlag oder diversen Briefen und Mails Ausdruck verleihen. Der Spagat zwischen Internationalität und regionaler Kultur wurde gemeistert. Die Zuschauerzahlen sprechen für sich! Das Jahr geht - wie immer - mit einem vollen Weihnachtsprogramm zu Ende.

2014

1984 - 2014 / 30 Jahre Theater Fadenschein
Ein Grund zum Feiern! Anlässlich des Jubiläumsjahres und möglich gemacht durch die Beteiligung der Stadt Braunschweig erscheint zum Jahresbeginn eine Jubiläumsbroschüre - ein informatives und reich bebildertes Heft mit Chronik und Anekdoten aus der Geschichte, sowie künstlerischem Werdegang. Außerdem tagt im Januar der Bundeskongress der deutschen Puppentheater in Braunschweig. Bei einem feierlichen Begrüßungszeremoniell in der Dornse mit zahlreichen Ehrengästen wurden von der Bürgermeisterin Frau Ihbe die ca. 60 angereisten Puppenspieler begrüßt und die Arbeit des Theaters Fadenschein gewürdigt. Frau Anke Scholz, die Vorsitzende des Berufsverbandes lobt sehr den Standort Braunschweig, das Festival WEITBLICK als Fortführung der bedeutenden Tradition in Braunschweig und die kontinuierliche, qualitätsvolle Präsenz des Theaters Fadenschein mit einer Ausstrahlung über die gesamte Bundesrepublik und über die Grenzen hinaus.
Verbunden mit dem Bundeskongress findet im Theater Fadenschein eine Spielreihe von Mitgliedsbühnen statt, die gut besucht wird. Die dort präsentierten Vorstellungen werden im Kollegenkreise in anschließenden Inszenierungsgesprächen ausführlich debattiert - ein schöner Anlass für Begegnung und Austausch, Lob und Kritik. Auch aus dem Kreise der zahlreichen Kollegen kommt viel Lob für Braunschweig und "sein" Figurentheater. Abgeschlossen wird das Jubiläumsjahr mit einem besonderen Event im Oktober: Florian Feisel (Professor für Puppentheater an der Hochschule in Stuttgart) beehrt uns mit seiner lecture performance "Puppen sterben besser". Die Veranstaltung ist so schnell ausgebucht, dass die benachbarte Gaststätte Parco dazu gemietet wird. Eine Live-Video-Übertragung entfaltete ungeahnt großen Witz, da die Türen zwischen den Räumen offen sind und akustischer Kontakt mit Frage und Antwort möglich ist. Im Anschluss folgt dann eine rauschende Party-Nacht.

Im September wird dann das neue Stück für den Rahmen "LiliPut - Theater für die Allerkleinsten" fertig und bereichert seitdem unseren Spielplan. Unter der Regie des Braunschweiger Kollegen Christian Weiß (Mehrsichttheater), erarbeitet Hanne Scharnhorst zusammen mit ihrer Tochter Alba Marina Scharnhorst (Studentin in Hildesheim) die sehr kunstvolle Inszenierung "Zebraling und Knirpsmaschine", ein Tanzspiel mit Schirmen und Zebrastoffen. Von Fachpublikum und auch vom Zuschauerkreise gelobt und willkommen geheißen, läuft für diese Produktion eine Bewerbung für das "Best-Off"-Festival der Stiftung Niedersachsen. Die angereisten Jury-Mitglieder zeigten sich äußerst begeistert. Mal sehen! (Das Vorläuferstück für Kinder unter 3 Jahren "Tür Auf Tür Zu" wurde bereits 2011 mit dem Best-Off-Preis ausgezeichnet).

Wir freuen uns sehr über die junge Kollegin Miriam Paul. Nach Ausbildung und etlichen Jahren Berufserfahrung im Stuttgarter Raum kommt die gebürtige Braunschweigerin in ihre Heimat zurück und suchte den Schulterschluss mit dem Theater Fadenschein. Wir unterstützen sie gerne dabei, hier Fuß zu fassen und es gibt bereits mehrere gemeinsame Projekte: Unter dem Titel "Theater vor Ort" hat Miriam Paul eine theaterpädagogische Reihe für Kindergärten ins Leben gerufen, die ausgesprochen erfolgreich anläuft und wunderbare Ergebnisse zeitigt. Das Theater Fadenschein stellt seine Räume für die Abschlusspräsentationen zur Verfügung und steht mit Rat und Tat zur Seite. Auch die bereits mehrfach erprobte und immer sehr förderliche Zusammenarbeit mit dem Dialogwerk Braunschweig kommt hier zum Tragen. (In 2015 wird das Projekt "Theater vor Ort" fortgesetzt und zusätzlich für beeinträchtigte Kinder angeboten.) Miriam Paul kann auch die Werkstatt des Theaters nutzen und arbeitete hier an einer Stückausstattung. Zum Weihnachtsprogramm hat dann ihre Produktion "Weihnachten im Tal der Trolle" unter der Regie von Hanne Scharnhorst Premiere.

So ist 2014 überhaupt ein Jahr der Premieren, denn auch die Zusammenarbeit mit dem Theater Anke Berger führt wieder zu einer Uraufführung: "Die Weihnachtsgans Auguste". Und neben der eigenen Premiere mit "Zebraling und Knirpsmaschine" hat dann auch noch Mirjam Hesse Premiere mit ihrer (unter anderem auch von der Stadt Braunschweig geförderten) Produktion "Das Versteck". Vier Neuproduktionen so kurz hintereinander, allesamt so verschieden wie erfolgreich - das ist schon sehr besonders. Im Spielplan sind darüber hinaus - wie immer - wieder zahlreiche Kollegen von auswärts vertreten. Alles renommierte Künstler mit sehr interessanten Arbeiten aus dem breiten Spektrum des modernen Figurentheaters. Mehr und mehr ist abzulesen, dass das Theater Fadenschein bundesweit (und teilweise darüber hinaus) einen sehr guten Ruf im Kreise der Kollegen genießt. Alle kommen gerne nach Braunschweig und loben dieses schöne Theater, die gute Atmosphäre und das angenehme Publikum. Auch die gute Auslastung der Vorstellungen ist durchaus nicht selbstverständlich. Mit wieder ca. 200 Vorstellungen im Saal des Theaters kann der hohe Stand vom Vorjahr gehalten werden.

Wie immer ist das Theater Fadenschein auch zu zahlreichen Terminen in der ganzen Bundesrepublik unterwegs. Dabei sei besonders hervorgehoben das Gastspiel mit Don Quijote im Museum von Lemgo. Damit hat diese sehr einzigartige Produktion immerhin eine letzte zusätzliche Aufführung erlebt und auch in Lemgo wunderbare Resonanz erzeugt. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es zum richtigen Zeitpunkt gelingen könnte, mithilfe einer Spielförderung dieses Stück für eine weitere Spielserie neu zu beleben. Die große Freude an diesem Projekt hat auch zur Folge, dass es Überlegungen für eine weitere Zusammenarbeit und ein neues Projekt in 2016 gibt. Ein anderes Highlight unserer Tourneefahrten ist eine Reise nach Rumänien: Die Kollegen vom Puppentheater Merlin im Temeswar, Rumänien waren im Herbst 2013 zu einem Gastspiel in Wolfenbüttel. Dort entstand der Kontakt und mündete in die Idee, das Theater Fadenschein nach Rumänien zu bringen. Bekanntermaßen gibt es in Rumänien eine beachtliche Zahl deutschstämmiger Menschen mit z.T. hervorragenden deutschen Sprachkenntnissen, in Temeswar gibt es überdies mehrere deutschsprachige Kindergärten und Schulen. Die Reise wird möglich durch eine private Spende aus Deutschland für die Reisekosten. Für Unterkunft und Verpflegung vor Ort kümmerte sich das Puppentheater Merlin mithilfe der Eintrittsgelder. Rumänien ist ein armes Land, Gage wird nicht bezahlt, somit gibt es auch keinen Verdienst, aber sehr interessante Erfahrungen und Begegnungen. Im Gepäck ist das Stück "Jakobs Zauberhut" von und mit Nöck Gebhardt-Seele.

Die Gehälter der Mitarbeiter können leider wieder nicht - wie gewünscht - erhöht werden. Und auch für 2015 sehen wir da noch keine realistischen Möglichkeiten. Für 2016 haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben und wollen unsere Haushaltsplanung überdenken.

----- Fortsetzung folgt -----

Chronologie der Produktionen

Die Bundschuhbauern - vor 1980
Die Kronenklauer - vor 1980
Theater über Theater - Mai 1982
Pierrot Lunaire (Klappmaul Theater) - 1981/82
Ein Frosch lernt Fressen - Herbst 1982
Die Reise durchs Fenster - Herbst 1982
Halogen und Bitterlemon - September 1983
Das kleine wilde Tier (Theaterspielplatz) - 1984
ZilpZalp in der Zwitscherbude - September 1984
Einmal der Kirschen Schwärze singen - Oktober 1985
Ein Eselsohr im Waschzuber - Herbst 1985
Firlefanz und Schattentanz - März 1986
Peppino Peperoni - Juni 1987
Die Reise durchs Fenster (Überarbeitung) - Herbst 1988
Ferdinand - Ein starker Stier - Juni 1989
Firlefanz und Schattentanz (Überarbeitung) - August 1989
Ein Wintermärchen - Dezember 1989
KANTO - Einer der auszog durch Türen zu reisen - Juni 1990
Die Reise zum Mittelpunkt des Sofas (Klappmaul) - Herbst 1990
Die Geschichte vom Onkelchen (Theaterspielplatz) - April 1991
Vom Müller und den Gespenstern - November 1992
Das kühne Mädchen - November 1994
Drachenschwanz und Löwenzahn - August 1995
Der kleine Bär und die lange kalte Winternacht - November 1995
Der Imbisskrieg - Oktober 1996
Ein Lied für Martha - August 1997
Zaide (Theaterspielplatz) - Oktober 1997
Zausel - November 1997
Die Schneekönigin - November 1998
Das Zauberhuhn (Silke Just) - Mai 1999
Es klopft bei Wanja in der Nacht - Winter 2000
Der Prinz von Ithaka - Sommer 2001
Die Kleemaschine - Sommer 2002
Die Kleine Zauberflöte - Winter 2002
Zauberhexen Hexenzauber - Winter 2003
Die Sonne im Gesicht (In Koproduktion mit dem Theater Anke Berger) - Januar 2004
Rubens und Ich - September 2004
Der Entenkönig - Juli 2005
Jakobs Zauberhut - November 2005
VALENTIN - Wie der Fisch vom Stangerl fällt - Februar 2007
TARAMOR - oder: Wenn der Weihnachtsmann nicht kommen kann - November 2008
Die Wichtelmänner- November 2009
TÜR AUF TÜR ZU - August 2010
Peppino PeperoniI 2 - Juli 2011
Der Imbisskrieg 2 - September 2011
Es klopft bei Wanja in der Nacht 2 - November 2011
Die Fiedelgrille - November 2012
Drei Freunde - November 2012

Als Adam Engelbrecht so richtig wütend wurde - 2013
Don Quijote - September 2013
Zebraling und Knirpsmaschine - September 2014
Der Vogel im Schnee - November 2015

Zauberwald - September 2016

(klein geschrieben sind fremde Produktionen unter Mitwirkung von FADENSCHEIN)

Herzlicher Dank geht an alle Förderer und Sponsoren, fleißigen Helfer und Mitarbeiter, Familienangehörige und natürlich an unser Publikum!







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