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Einführung und Grußworte:



Liebes Publikum,

die Fäden sind gespannt, die Scheinwerfer positioniert.
Bereits zum fünften Mal wird auf unserem WEITBLICK-Festival meine persönliche Auswahl an herausragenden Figurentheater-Produktionen in Braunschweig präsentiert.

Was ist denn dein Leitfaden? Nach welchen Kriterien wählst du aus? Das werde ich oft gefragt. Also: Zum einen bin ich nicht alleine unterwegs, denn bei meinen Recherchen reist das Publikum im Koffer immer mit. So sind z.B. die alteingesessenen Fans der traditionsreichen Puppenspielwoche in meinem Hinterkopf, genauso wie all diejenigen, die auf neue Impulse und grenzüberschreitende Experimente warten. Zum anderen ist es meine Intuition, die auf jahrelanger Erfahrung basiert und sich somit vielleicht zu etwas wie allgemeingültigen Kriterien herauszubilden beginnt. Austausch und Reibung mit Kollegen erweitern darüber hinaus den Erfahrungsschatz. Meine Auswahl ist von großer Neugier auf aktuelle Tendenzen und neue Sichtweisen geprägt. Ich lade die Inszenierungen ein, in denen es die Künstler und Künstlerinnen schaffen, Dinge auf den Punkt zu bringen, die mich berühren und begeistern, dabei treffende Bilder finden und Themen verdichten.
Es interessieren mich mehr die Künstler/innen, die Fragen stellen, sich in Widersprüchlichkeiten verstricken, als die, die schnelle Erklärungen parat haben.
Spannende inhaltliche Themen sind für mich immer nahe der Lebensrealität, auch oder gerade wenn sie erst mal surreal verschlüsselt erscheinen.
Oft liegt eine Sehnsucht nach Veränderung, "gelungenerem Leben" dahinter und das im kleinen individuellen Kosmos, vor allem aber auch in verallgemeinerter gesellschaftlicher Relevanz. Kleine Zumutungen und Irritationen sollten positiv als Horizont-Erweiterung gesehen werden, gepaart mit Spaß und Unterhaltung ergeben sie, so hoffe ich, eine inspirierende Mischung. Wenn alle diese Fäden zusammenlaufen, entsteht ein Programm, das wie eine gute Stückinszenierung nach bestimmten Rhythmus- und Dramaturgie-Gesetzen funktioniert, nicht so sehr das "richtige Verstehen", sondern das sinnliche Erfassen provoziert und mit den folgenden Elementen spielt: Tradition zeigt sich am Eröffnungsabend mit virtuos gespielten Handpuppen und auch in den Walk Acts in den Straßen mit ihrem spezifischen Wanderkomödianten-Flair. Objekten, sogar Alltagsgegenständen, eine Seele einhauchen ist eine modernere Form des Figurentheaters. Diese Animationskunst präsentiert sich in einigen Inszenierungen, wenn z.B. harmloses Kinderspielzeug zur tödlichen Waffe wird. Wie die Spieler in den Objekt-theaterstücken das Material beleben ist sehr verschieden, aber immer magisch!
High-Tech, höchst präzise und beeindruckend präsentiert, schafft in einigen Inszenierungen virtuelle Räume, jedoch nie zum Selbstzweck, sondern ist immer im Kontext zu den darin verstrickten und agierenden Menschen.

Nachwuchskünstler, als Absolventen der verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland, nehmen das Publikum mit auf das Abenteuer, neue Wege zu gehen und bieten die Gelegenheit, kollektiven Arbeitsformen nachzuspüren.
Schnittstellen zur Musik und Bildenden Kunst erschaffen mit ihrem Formenkanon ein neues eigenes Universum.
Schnittstellen zum Tanz werden immer wieder im Programm aufgenommen. Klassiker, hier in Form kafkaesker kleiner Holzfiguren als boshaftes "Mensch-ärgere-Dich-Spiel", sind zu sehen.

Spielorte an verschiedenen Stellen tragen das Festival in die Stadt hinein. Ein besonderes Highlight ist dabei eine Licht- und Ton-Performance im sakralen Raum-Refugium in der Matthäuskirche.
Zielgruppen sind weit gefächert: Ab einem Jahr geht es los, dann für Kindergarten- und Schulkinder, über Familienvorstellungen zum Abendprogramm für Jugendliche und Erwachsene.
Internationalität - 11 Länder sind vertreten - birgt die Chance, diese Themen aus der Sicht anderer Kulturkreise mit ihren spezifischen Erfahrungen und Ausdrucksmitteln kennenzulernen. Von der meditativen japanischen Teezeremonie bis hin zur sportiven Spritztour dreier Männer und ihrem stillen Örtchen TOITOITOI ist alles dabei.

Diese Fäden und viele mehr sind nun verknüpft und ich wünsche uns allen ein inspirierendes, gemeinsames
F E S T ival!

Hanne Scharnhorst
Künstlerische Leitung

 

 

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